Beitrag auf ksta.de von Philip Sagioglou
Gelsenkirchen - Wenn Karnevalslieder während der letzten Minuten eines Fußballspiels erklingen, dann ist das – egal, in welchem Stadion – ein sehr zuverlässiges Indiz dafür, dass der 1. FC Köln gerade, in diesem Augenblick, ziemlich erfolgreich ist. Und wenn die Fans des Klubs auch noch vom Europapokal singen, dann steckt meistens mehr dahinter als nur ein guter Tag. Eine gute Phase zum Beispiel, oder eine sehr gute, wie die Mannschaft von Trainer Peter Stöger sie derzeit erlebt. Als die Fans des FC am Mittwochabend in Gelsenkirchen also von ihrem Veedel und einem treuen Husaren sangen, da war leicht zu deuten, dass die Kölner dem FC Schalke 04 überlegen waren. Und, ja, das war kein trügerischer Eindruck: Mit 3:1 (1:1) setze sich der FC durch.
Stöger hatte seine Mannschaft im Gegensatz zum 3:0-Sieg über Freiburg erwartungsgemäß auf einer Position verändert, und das auch nur, weil es nicht anders ging: Milos Jojic ersetzte den verletzten Leonardo Bittencourt. Und anfangs fiel es gar nicht mal so sehr auf, dass damit einer der formstärksten Kölner Spieler der zurückliegenden Monate fehlte. Stögers Mannschaft machte jedenfalls nicht den Eindruck, sich angesichts des trotz mieser Bilanz hochkarätig besetzen Gegners und der immer wieder imposanten und ziemlich lauten Kulisse in der Arena wie ein Außenseiter zu verhalten. Vielleicht konnte man sagen: natürlich nicht. Es war ja das Duell des Vierten der Tabelle gegen den Siebzehnten.
Die Kölner spielten also gut mit, verteidigten weit vorn, hatten anfangs viel Ballbesitz und mehr Offensivaktionen. Doch relativ schnell erkannten die Schalker, dass sie diesen Abend mit solcher Passivität wieder ohne Punkte beenden würden. Also gaben sie sich mehr Mühe. Und sie erzielten ihr erstes Tor in dieser Saison und damit eben auch den ersten Gegentreffer des FC: 35 Minuten waren gespielt, Klaas-Jan Huntelaar stahl sich nach feinem Zuspiel von Nabil Bentaleb davon und ließ Timo Horn keine Abwehrchance.
Man konnte das Gefühl haben, dieser Treffer käme einer Erlösung gleich und würde die Schalker an diesem Abend unbesiegbar machen. Doch es kam ziemlich schnell ziemlich anders: Nach einer Flanke von Milos Jojic legte Anthony Modeste ab für Yuya Osako, der eine von ihm selten gesehen Schusskraft entwickelte und den Ball aus 18 Metern ins Tor drosch. Der Ausgleich. Und mit ein bisschen Glück hätte Osako nach Flanke von Marcel Risse kurz darauf noch einmal getroffen, doch der Japaner erwischte den Ball nicht. Zur Pause stand es also 1:1 – und das war in Ordnung, die Mannschaften waren nahezu gleichauf.