Beitrag auf ksta.de von Christian Oeynhausen
Köln - 7329 Tage oder 1047 Wochen oder 20 Jahre, drei Wochen und drei Tage lang war der 1. FC Köln nicht mehr Tabellenführer der Fußball-Bundesliga gewesen, als der SC Freiburg am Freitag als Gast ins Rhein-Energie-Stadion kam. Mancher Stadionbesucher war im August 1996 noch nicht geboren oder wurde womöglich aus diesem Anlass gezeugt. Und nun bot sich Peter Stögers Team die Gelegenheit, dieses äußerst seltene Tabellenbild herzustellen.
Wahrscheinlich nur ein schöner Anblick für eine Nacht und einen halben Tag. Aber besser als nichts. Und nach 90 Minuten konnte die Party steigen, die während des Spiels auf den Rängen längst begonnen hatte. Mit 3:0 (3:0) besiegte Stögers Mannschaft den Aufsteiger aus dem Breisgau nach einer starken ersten Hälfte und einem zweiten Durchgang, in dem es den Kölnern sichtbar darum ging, den schönen, aber flüchtigen Moment nun auch festzuhalten. „Der Abend ist schön, und das in erster Linie, weil wir drei Punkte geholt haben“, sagte Stöger: „Mal sehen, wie es jetzt weitergeht.“
Mit freundlichem Applaus wurde 45 Minuten vor dem Spiel Timo Horn zum Warmmachen begrüßt. Der FC-Stammtorhüter hatte einen letzten Check am Vormittag erfolgreich hinter sich gebracht und konnte gegen Freiburg auflaufen. Es war die einzige Änderung in Peter Stögers Startelf gegenüber dem 0:0 in Wolfsburg.
Die Stimmung im Rhein-Energie-Stadion war aufgeladen mit Tabellenführungs-Vorfreude, und Horn sorgte dafür, dass diese anhielt. Nach fünf Minuten parierte der Silbermedaillen-Gewinner von Rio einen tückischen Ball von Florian Niederlechner und nach 37 Minuten war Horn nach Versuchen wiederum von Niederlechner und einem Freistoß von Grifo schon härter geprüft worden als sein Vertreter Sven Müller im ganzen Spiel in Wolfsburg.
Vorne hatte derweil aber die Gala der Kölner Offensive begonnen, sehr begünstigt von Freiburgs Abwehr. Und ganz besonders von Freiburgs türkischem Innenverteidiger Caglar Söyüncü, der einen Fehler an den anderen reihte. Anthony Modeste eröffnete die denkwürdige erste Halbzeit mit einem schwierigen Kopfballtor nach einem Eckball von Marcel Risse (29.), zwei Minuten später spielte Söyüncü den Kölnern den Ball zu und stolperte dann ohne Balance gegen Yuya Osako herum. Dessen Querpass schob Leonardo Bittencourt über die Linie (31.).
Nach einem Foul an Bittencourt direkt vor den Coachingzonen gab es ein sehenswertes, aber leider nicht hörbares Gesten-und Verbal-Duell zwischen Freiburgs Coach Christian Streich und Stöger (40.). Der letzte Höhepunkt der ersten Halbzeit war das aber noch nicht. Nach einem Einwurf von Frederik Sörensen köpfte Modeste zum 3:0 ein (43.). Wen hatte der Franzose mühelos übersprungen? Söyüncü, erst 20 Jahre alt, hatte wirklich einen bitteren Abend.
Aus der Kabine kehrten die Gäste erwartungsgemäß ohne Söyüncü zurück, der Platz für Stürmer Nils Petersen machte. Kölns Publikum war noch mit Feiern beschäftigt, als Niederlechner plötzlich frei stand und Horns Tor nur knapp verfehlte (46.). Es ging zunächst nicht gut weiter für die sowieso verletzungsgeplagten Kölner – Bittencourt musste leicht humpelnd vom Platz. Freiburg zeigte Moral und bemühte sich um den Anschluss, während die Kölner nun manchmal ohne letzte Konsequenz verteidigten und nach vorn kaum noch etwas taten.
Im Stadion lief die Tabellenführer-Party auf Hochtouren, als die FC-Profis noch darum kämpften, auch noch ohne Gegentor ganz oben zu stehen. Olympia-Teilnehmer Petersen vergab die erste von zwei Gelegenheiten für Freiburg. In der 79. Minute parierte dann Timo Horn einen Ball von Niederlechner spektakulär.
Und kurz darauf kam der Schlusspfiff. Sieben Punkte, 5:0 Tore. Erster. Nach 20 Jahren.