Beitrag auf faz.net von Roland Zorn
Erstmals in dieser Saison kassiert Werder Bremen gegen Köln in einem Bundesligaspiel kein Gegentor – und ist trotzdem unzufrieden. Alle Augen richten sich auf das Abstiegsfinale am letzten Spieltag.
Es war nur das Vorspiel zum ultimativen Finale am kommenden Samstag. Mit dem 0:0 beim 1. FC Köln fiel der SV Werder Bremen fünf Tage nach dem glanzvollen 6:2-Sieg über den VfB Stuttgart zwar auf Relegationsplatz 16 zurück, kann sich aber mit einem vollen Erfolg über Eintracht Frankfurt am letzten Spieltag noch in Sicherheit bringen.
Im Spiel gegen beim Tabellenachten machte nur die erste Hälfte der Bremer Hoffnung auf das erlösende Tor. Danach konnte sich die Mannschaft von Trainer Viktor Skripnik bei ihrem Torhüter Felix Wiedwald bedanken, dass sie nach neunzig Minuten erstmals zu Null in dieser Saison gespielt hatte – zu wenig, um sich von der Gefahr des zweiten Bundesliga-Abstiegs nach 1980 schon befreien zu können.
„Wir wollen den Schwung mitnehmen“, hatte sich Skripnik nach dem fabelhaften 6:2 vom Montag gegen den VfB Stuttgart gewünscht. Und Geschäftsführer Thomas Eichin hatte „keine Sorge, dass wir die Partie in Köln nicht so annehmen, wie man sie annehmen muss“. Die beiden Herren aus der sportlichen Leitung des SV Werder behielten recht. Und eigentlich hätten die Bremer bei Halbzeit auch führen müssen, wäre Schiedsrichter Felix Zwayer nicht ein Wahrnehmungsfehler unterlaufen, als er Garcias Treffer nach einem Eckball von Junuzovic die Anerkennung verweigerte (26.).
Der Berliner Unparteiische hatte in dieser Szene zuvor ein Foul des Werder-Innenverteidigers Vestergaard an einem Kölner Abwehrspieler gesehen, der aus seiner Sicht deshalb seinen Torhüter Horn behindert hatte. Ein womöglich schwerwiegender Irrtum. Der Kölner Zusammenprall war hausgemacht.
Die aktivere Mannschaft, die dazu das Spiel kontrollierte, gab sich weiter alle Mühe, endlich ein Tor zu erzielen und war bei Junuzovics Schuss aus kurzer Distanz gegen den Innenpfosten auch ganz nah dran (43.). Da aber dran nicht drin ist, blieb es bis zum Wechsel bei einem für den FC schmeichelhaften 0:0, obwohl Modeste in der Nachspielzeit die einzig große Kölner Gelegenheit vergab, als Torhüter Wiedwald den Schuss des französischen Mittelstürmers mit dem Fuß abwehren konnte.
Der von 6500 mitgereisten Fans in Grün und Weiß erhoffte norddeutsche Befreiungsschlag ließ also weiter auf sich warten. Die Bremer Aufgabe wurde nach dem Wechsel eine Spur schwerer, weil die Kölner mit Osako und Vogt als frischen Kräften nun häufiger initiativ und zielstrebiger wurden und die als nicht besonders stabil geltende Werder-Abwehr (65 Gegentreffer) einigen Prüfungen unterzog. Zum Glück für Bremen hatte Torhüter Wiedwald am Samstag aber einen ausgesprochen guten Tag, was er bei Bittencourts Flachschuss (62.) nachdrücklich bewies. Die Chancen der Bremer hatten jetzt nicht mehr die Qualität der ersten 45 Minuten, auch weil Fritz eine präzise Hereingabe von Bartels verstolperte (57.) und Djilobodji wie schon in der ersten Hälfte einen aussichtsreich anmutenden Kopfball über das Tor beförderte (58.).
In der 75. Minute wechselte Skripnik dann den früheren Kölner Stürmer Ujah anstelle von Öztunali ein, worauf ein großer Teil der FC-Fans sogleich mit einem gellenden Pfeifkonzert antworteten. Für die Kölner Ultraszene ist der Nigerianer ein Abtrünniger. Sie haben dafür in Modeste, der aus Hoffenheim kam, den neuen Torschützen vom Dienst gefunden. Doch der scheiterte mit seinem Volleyschuss (77.) aufs Neue an Wiedwald, dem besten Bremer, der auch Modestes letzten Versuch (87.) abwehren konnte.
Am Ende waren die Norddeutschen deshalb sogar im Glück, dass sie mit wenigstens einem Punkt belohnt worden waren. Soll die Relegation gegen den Zweitligadritten vermieden werden, muss sich die Mannschaft noch einmal straffen und steigern. Die Kölner Leistung wird nicht genügen, die zwei Zitterpartien für Nachsitzer abzuwenden.