Beitrag auf faz.net von Sebastian Stier
Rasenball Berlin: Nach dem 0:0 zwischen Berlin und dem 1. FC Köln wird über den schlechten Rasen diskutiert. Kommen diese Platzverhältnisse dem Spiel der „Eisernen“ entgegen?
Als Fußballlehrer hat sich Steffen Baumgart auf vielfältige Weise hervorgetan. Der Trainer des 1. FC Köln überzeugt als Fachmann für taktische Angelegenheiten, als Motivator oder als Moderator. In wichtigen Kernkompetenzen also. Als ausgewiesener Fachmann für Hortikultur ist Baumgart dagegen im Kollegenkreis noch nicht aufgefallen. Deshalb zeigte sich Urs Fischer, Trainer von Union Berlin, umso überraschter, als sein Gegenüber nach dem 0:0 beider Teams über den Rasen im Stadion an der Alten Försterei referierte.
„Wenn du jetzt einen Rasen verlegst, hat er Probleme anzuwachsen. Dann kriegst du keine Feuchtigkeit rein, gerade bei der Trockenheit. Deshalb war der Rasen für alle gleich stumpf. Dass so ein Rasen in der einen oder anderen Situation hochgeht, hast du dann halt. Trotzdem war es richtig den Rasen jetzt zu verlegen, weil er vorher eben nicht mehr entsprechend aussah. Ich glaube, wir haben uns trotzdem alle ganz gut darauf eingestellt“, sagte Baumgart. Fischer staunte nicht schlecht und sagte. „Du weißt ja beinahe mehr über den Rasen in unserem Stadion als ich.“
Der durch die vielen Spiele der jüngeren Vergangenheit arg ramponierte Untergrund war wenige Tage zuvor ausgetauscht worden und weit davon entfernt, als bundesligatauglich zu gelten. Dass am Ende mehr über herausgerissene Rasenstücke und entstandene Löcher gesprochen wurde, war nur ein Indiz für die Ereignisarmut dieser Begegnung, die später von mehreren Seiten als „kämpferisch“ eingestuft wurde.
Die Punkteteilung darf als gerecht gelten, interessanter als die 90 Minuten war dann die Nachbesprechung, bei der die Kölner die Platzverhältnisse zu ihren Ungunsten einordneten. Der schlechte Rasen sei laut Thomas Kessler eher dem Spiel von Union Berlin entgegengekommen. „Sie agieren deutlich mehr mit langen Bällen“, sagte der Lizenzbereich-Leiter des FC. Zur Wahrheit gehörte aber, dass Köln den Ball mindestens auch so oft einfach nach vorne schlug wie Union.
Über den Stil des 1. FC Union Berlin ist in dieser Saison mindestens so oft gesprochen worden wie die Mannschaft von Urs Fischer gewonnen hat. Die Vorliebe für das schnörkellose Überbrücken des Feldes ist bekannt, genau wie die ausgesprochene Stärke bei Standardsituationen. Keine Mannschaft in der Bundesliga hat öfter im Anschluss an Eckbälle oder Freistöße getroffen. Es gibt sogar Stimmen die behaupten, die Berliner hätten diesen Part des Spiels zur neuen Kunstform erhoben.
Kritiker dagegen nörgelten, der Mannschaft würde ohne dieses Zutun aus dem Spiel heraus wenig gelingen. All jene dürften sich nun nach drei Bundesliga-Spielen, in denen Union kein eigenes Tor erzielt hat, bestätigt sehen. Weder gegen Schalke (0:0), Bayern (0:3) und jetzt Köln durften die Berliner jubeln. Durch die Serie von zwei Punkten aus drei Spielen muss Union das Spitzenduo bestehend aus Bayern München und Borussia Dortmund auf fünf Punkte enteilen lassen.
Kapitän Christopher Trimmel wollte die jüngsten Ergebnisse aber nicht als Enttäuschung werten. „Ich nehme das gerne mit. Wir werden weiter daran arbeiten, Tore zu schießen“, sagte der Nationalspieler Österreichs. Intern haben sich die Berliner ohnehin nicht die Meisterschaft zum Ziel gesetzt. Viel mehr soll es in den kommenden Wochen darum gehen, die abermalige Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb zu sichern. Was das angeht, ist Union Berlin als Dritter weiterhin auf einem guten Weg. Für den Moment sogar ohne eigene Tore.