Die Hertha ist erster Bayern-Verfolger

22. Oktober 2016

Beitrag auf faz.net von Roland Zorn

Die Berliner gewinnen das unverhoffte Spitzenspiel der Bundesliga gegen Köln und rücken in der Tabelle auf Platz zwei vor. Am Ende hat der FC allerdings gleich doppelt Pech.

Ein Publikumsrenner mit magischer Anziehungskraft wie am 26. September 1969 war es noch nicht. Damals bescherten 88.075 Zuschauer Hertha BSC im Duell mit dem 1. FC Köln den seitdem unerreichten Besucherrekord der Fußball-Bundesliga. Das jüngste Wiedersehen dieser beiden Traditionsklubs lockte aber immerhin 60.567 in das nicht ganz ausverkaufte Olympiastadion. Die beiden Klubs, die Jahre des Mittelmaßes und der Zweitklassigkeit hinter sich haben, wecken aufs Neue großes Interesse.

Kein Wunder, haben sich doch die Berliner mit ihrem vierten Heimsieg im vierten Heimspiel wie die Kölner fürs erste in der Spitzengruppe der ersten Liga zurückgemeldet. Fünfter gegen Zweiter, so lautete die Konstellation vor diesem unverhofften Spitzenspiel im Olympiastadion am Samstagnachmittag, das am Ende die nach den Samstagsspielen auf Platz zwei vorgerückte Hertha verdientermaßen 2:1 durch die Tore von Ibisevic (13. Minute) und Stark (74.) bei einem Gegentreffer durch Modeste (65.) gewann. Die Kölner fielen nach ihrer ersten Saisonniederlage vom zweiten auf den vierten Rang zurück.

Bei dem Duell zwischen dem Hauptstadtklub und der deutschen Karnevalskapitale stand auch ein persönliches Fernduell im Blickpunkt: der Zweikampf der Torjäger Anthony Modeste und Vedad Ibisevic. Der Kölner führte nach sieben Spieltagen die Bundesliga-Schützenliste mit sieben Treffern und einer Torvorlage an vor dem drittplazierten Berliner, der es auf fünf Tore und drei Assists gebracht hatte. Damit herrschte in der Scorerliste zwischen dem spielerisch etwas stärkeren Bosnier und dem dafür etwas torgefährlicheren französischen Direktverwerter Gleichstand auf Bundesliga-Topniveau.

Vor der Pause erfüllten die Hertha und der Bosnier die Erwartungen des gespannten Publikums. Das Berliner Kollektiv, gegenüber der vorigen Saison weiter gereift, beherrscht inzwischen einen sehenswerten Pass-and-Go-Fußball mit Beschleunigungs- und Beruhigungsmomenten. Und Ibisevic erfüllte wieder einmal die hohen Ansprüche an einen Torjäger mit dem gewissen Etwas. Stand einem Treffer bei seinem ersten Drehschuss nach Haraguchis Querpass von links noch Torhüter Horn dank einer sehenswerten Reaktion im Wege (9.), war der Kölner vier Minuten darauf geschlagen, als Ibisevics nächster Direktabnahme nach Weisers Flanke von rechts zum 1:0 führte.

Diesen knappen Vorsprung hatten sich die Berliner gegen einen FC verdient, der sein schnelles Umschaltspiel so gut wie nie zeigen konnte. Die Außenbahnen, wo die Kölner sonst oft ihre Stärken ausspielen, waren diesmal nicht so eindrucksvoll wie in den Wochen davor besetzt, und in der Mitte fand Modeste kaum einmal zu seiner gerühmten Torgefährlichkeit.

Was noch nicht war, holte der lange Franzose in der zweiten Hälfte nach. Nach 65 Minuten traf er zum achten Mal in dieser Spielzeit – per Abstauber, ermöglicht durch die sehenswerte Vorarbeit des nach der Pause eingewechselten Bittencourt (65.). Der 1:1-Ausgleich belohnte die zunehmend konstruktiveren Bemühungen des FC in diesem guten Bundesligaspiel. Die Hertha nahm den kleinen Rückschlag zum Anlass, die eigenen Bemühungen zu forcieren und erzielte nach Weisers Freistoß im Doppelkopfduett zwischen Schieber und dem Torschützen Stark aufs Neue den Führungstreffer (74.). Pech für den FC, dass Zollers Lattenknaller mit anschließendem Pfostenschuss durch Risse (87.) ebensowenig zum Remis führte wie Rudnevs aberkannter Treffer (90.+2) nach einem Foul des vermeintlichen Torschützen an Plattenhardt.