Es geht doch noch

29. November 2020

Beitrag im Tagesspiegel

Nach 18 Spielen ohne Sieg beendet der 1. FC KÖLN mit einem Erfolg in Dortmund seine Negativserie

Dortmund - Es war ein letzter verzweifelter Versuch der Dortmunder. Der Ball kam von der rechten Seite noch einmal vor das Tor. Erling Haaland, der eiskalte Vollstrecker, stand fast perfekt, aber er brachte den Ball nicht über die Torlinie. Dem Norweger stand der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Aus. Vorbei. Für die Dortmunder, aber noch viel mehr für den 1. FC Köln, der seine Misserfolgsserie am Samstagabend mit einem eigentlich unmöglichen Sieg beendete. Saisonübergreifend hatten die Kölner seit18Spielen nicht mehr gewonnen. Am Samstag aber siegten sie mit 2:1 (1:0) bei Borussia Dortmund, dem bis dato Tabellenzweiten der Fußball-Bundesliga, der damit einen herben Rückschlag im Kampf um die deutsche Meisterschaft hinnehmen musste.„Wir hatten Respekt und haben immer gesagt, es wird ein schweres Spiel“, sagte BVB-Coach Lucien Favre. Dass Lizenzspielerchef Sebastian Kehl der Borussia noch vor der Partie beim TV-Sender Sky eine positive Entwicklung und mehr Schärfe attestiert hatte, verstärkte den Frust über die Niederlage. Anders als zuletzt bei starken Auftritten in Berlin (5:2) oder gegen Brügge (3:0) präsentierte sich der BVB gegen den großen Außenseiter, der zudem noch personell geschwächt war, vor allem in der ersten Halbzeit erschreckend schwach. Mit der dritten Saisonniederlage wuchs der Rückstand auf Tabellenführer FC Bayern München auf vier Punkte an. Dagegen gelang den Kölnern dank der beiden Treffer von Ellyes Skhiri bei einem Gegentor von Thorgan Hazard endlich wieder ein Erfolg. Es war der erste in Dortmund seit April 1991 und er dürfte vor allem für den zuletzt in die Kritik geratenen Kölner Trainer Markus Gisdoleine Genugtuung gewesen sein. „Dieses Spiel war eine Schlacht“, schwärmte der Coach, „wir haben eine abartige Laufleistung absolviert. Der Sieg ist eine tolle Botschaft in Richtung unserer Fans. Diese Mannschaft ist gut, sie kann Dinge leisten, die man ihr zuletzt nicht zugetraut hat.“ Zwei Standards verhalfen den Kölnern zum erhofften Befreiungsschlag. Zweimal schlug Ondrej Duda einen Eckball auf den kurzen Pfosten, zweimal wurde er per Kopf verlängert und zweimal war Skhiri zur Stelle. Dass derz weite Treffer fast eine Kopie des ersten war, sorgte bei Favre für große Verärgerung: „Zwei solche Tore sind schwer zu akzeptieren.“ Selbst sein Versuch, das Unheil durch die Einwechslung von weiteren Offensivspielern noch abzuwenden, blieb erfolglos. So stürmte der erst16Jahre alte Youssoufa Moukoko in der Schlussphase an der Seite des diesmal schwachen BVB-Torjägers Haaland. Das sorgte zwar für eine Belebung, aber nicht für die Wende. Der Anschluss treffer des ebenfalls eingewechselten Hazard war zu wenig. „Wir haben ein wenig die Geduld verloren und überhastet gespielt. Es hat die richtige Bewegung gefehlt“, klagte Favre. Tsp/dpa