FC in Zahlen - Fast überall Pluspunkte

16. Mai 2016

Beitrag auf 1.wdr.de

Peter Stöger hat in der vergangenen Sommerpause versprochen, das Offensivspiel des 1. FC Köln weiterzuentwickeln. Hat er das geschafft? Ein Blick in die Statistik bringt eindeutige Erkenntnisse.

Viele Jahre lang hat der 1. FC Köln gewirkt, als wären die wichtigsten Entscheidungsfaktoren im Klub das "Hätz", das "Jeföhl" und der "Klüngel" (Kölsch für Herz, Gefühl und Gefälligkeiten). Heutzutage aber treffen Präsidium, Management und Trainerteam eher rationale, langfristige Entscheidungen - und haben dem FC damit Bundesliga-Platz neun beschert, das beste Ergebnis seit 24 Jahren. Aber hat sich die Mannschaft auch wirklich verbessert? Oder hängt der Tabellenplatz eher mit schwächelnder Konkurrenz zusammen? Dem neuen FC-Zeitgeist folgend verlässt sich WDR.de bei der Suche nach der Antwort nicht auf den persönlichen Eindruck - sondern auf harte Zahlen. Denn der nüchterne Vergleich mit der Vorsaison (Platz zwölf) ist sehr aufschlussreich.

Die zentralen Daten: Der FC hat mehr Punkte geholt (43 statt 40), mehr Siegeeingefahren (10 statt 9) und weniger Niederlagen kassiert (11 statt 12). Dabei haben die Kölner mehr Tore geschossen (38 statt 34), aber auch mehr Gegentreffer zugelassen (42 statt 40).

Die höhere Zahl an Gegentreffern liegt weniger am Personal. Denn die Zugänge Dominique Heintz und Frederik Sörensen haben den Abgang von Kevin Wimmer kompensiert. Stattdessen hat Stöger seine eiserne Defensivtaktik aus der Vorsaison tatsächlich etwas gelockert - und damit mehr Gegentore riskiert. Statt vereinzelt blitzschnelle Konter zu fahren, hat der FC früher angegriffen und öfter die Kontrolle übernommen - oder es zumindest versucht.

Torchancen erarbeitet

Ein Indiz für diese These ist die verbessere Passquote (76,2 Prozent statt 73,9 Prozent). Wer weniger kontert, spielt seltener riskante Pässe und damit logischerweise weniger Fehlpässe. Der FC kam auch auf mehr Ballbesitzphasen(19.597 statt 19.295) - ein weiterer Beleg für gesteigerte Kontrolle.

Die Kölner waren mit dieser Spielweise durchaus gefährlich. Sie schlugen nicht nurmehr Flanken (290 statt 266), sondern erarbeiteten sich vor allem auch mehr Torschüsse (416 statt 367) - das ist eine Steigerung um 13 Prozent. Anthony Modeste hat nach Robert Lewandowski (151) und Pierre-Emerick Aubameyang (118) die drittmeisten Torschüsse aller Bundesligaspieler abgegeben (110) - 15 mehr als Thomas Müller und Daniel Didavi auf dem vierten Platz (95).

Einsatz stimmt

Das Sahnehäubchen: Der FC hat sich auch eine bessere Zweikampfquoteerarbeitet (51 Prozent statt 49,1 Prozent). Die Einsatzbereitschaft war ein weiterer Grund dafür war, dass der Klub in seiner zweiten Bundesligasaison in Folge nie ernsthaft in Abstiegsgefahr geriet.

Die Zahlen zeigen, dass Stöger sein Versprechen gehalten hat. Obwohl Milos Jojic nicht der erhoffte Spielmacher wurde und herausragende Einzelspieler weiterhin fehlen, hat die Mannschaft in vielen Bereichen Fortschritte gemacht. Stöger kann taktisch variieren, je nach Gegner mit Dreier-, Vierer- oder Fünfer-Abwehrkette spielen lassen. Alles hat bereits funktioniert. Natürlich gab es auch schwache Halbzeiten und einen Totalausfall: das 2:6 gegen Frankfurt in der Hinrunde. Und die Torausbeute hätte besser sein können, vor allem Modeste ließ einige gute Chancen liegen.

Luft nach oben - und unten

Von daher bleibt bei einigen Fans der Eindruck haften, dass in dieser Saison sogar noch mehr drin gewesen wäre - die Sehnsucht nach Europa ist groß. Aber vermutlich ist Tabellenplatz neun genau das, was sich die sportliche Leitung gewünscht hat: Ziel erreicht mit Luft nach oben. So können Manager Jörg Schmadtke und Peter Stöger weiter an ihrem Team feilen, ohne dass die Erwartungen in den Himmel schießen. Es wird schon schwierig genug, die starken Statistiken in der kommenden Saison zu wiederholen.