Frankfurter „Fußball-Gott“ gibt überragendes Comeback

12. September 2015

Beitrag von Ralf Weitbrecht auf faz.net

Das Comeback des Bundesliga-Torschützenkönigs wird ein echtes Spektakel. Alexander Meier trifft dreimal gegen den 1. FC Köln. Die Fans feiern ihn überschwänglich.

Was für ein Comeback! Ziemlich genau fünf Monate nach seiner Operation an der Patellasehne hat Alexander Meier bei seiner Rückkehr in die Eintracht-Elf einen rauschhaften Fußball-Abend erlebt, der in einem 6:2-Triumph gegen den 1. FC Köln gipfelte. Drei Tore erzielte Meier insgesamt – und er hatte es eilig. Vier Minuten erst war die Partie alt, da schlug der Frankfurter Kapitän zum ersten Mal zu. Nach einer Flanke von Aleksandar Ignjovski erzielte Meier mit dem Kopf das 1:0.

Das Gros der 51.500 Zuschauer in der ausverkauften Arena war entzückt und feierte den Rückkehrer schon da mit lautstarken „Alex Meier Fußball-Gott“- Sprechchören.

Alexander Meier, der Seele des Frankfurter Spiels, muss der erste Pflichtspieleinsatz seit dem operativen Eingriff am 14. April wie ein Geschenk des Himmels vorgekommen sein. Denn der 32 Jahre alte Spielführer beließ es ja nicht bei seinem Führungstor. Meier brachte in der Folge einer fulminanten Anfangsphase auch noch seine Füße gewinnbringend ins Spiel. Nach Vorarbeit von Sturmkollege Haris Seferovic zeigte der „Lange“, wie er von den Mannschaftskollegen genannt wird, seine Klasse, als er den Ball in der 23. Minute mit links zum 3:0 in die lange rechte Ecke zirkelte.

Für die wie aus einem Guss spielende Eintracht war es schon Treffer Nummer drei, denn zwischen den Meier-Festspielen war es Luc Castaignos, der gleichfalls für Glücksmomente an diesem zauberhaften Fußball-Abend sorgte. Der flinke Holländer profitierte bei seinem dritten Saisontreffer von einer feinen Vorbereitung von Marco Russ. Der Innenverteidiger, der ohne Kölner Gegenwehr ungestört aus der eigenen Verteidigung bis zur Mittellinie vorrücken konnte, sah die Gunst der Stunde und spielte den Ball in die Tiefe des Raumes, aus dem heraus Castaignos in der 15. Minute gekonnt vollendete.

3:0 gegen den Tabellenvierten – nach nur 23 Minuten schien die aus Eintracht-Sicht furiose Partie zugunsten der Frankfurter entschieden. Selbst der Kölner Neuzugang Anthony Modeste, der wie aus dem Nichts heraus mit dem Kopf verkürzen konnte (28.), vermochte den Eintracht-Express nicht zu stoppen. Im Gegenteil. Die Mannschaft von Trainer Armin Veh hielt unbeirrt Kurs und wurde nur zwei Minuten später für ihren Eifer belohnt. Wieder war es Castaignos, der diesmal alleine auf FC-Keeper Timo Horn zulief und zum 4:1 einschoss.

Fünf Tore in dreißig Minuten: Frankfurt erlebte ein Fußball-Spektakel, wie man es länger nicht mehr gesehen hatte. Und zugleich ein Stück Vereinsgeschichte, denn dank des Erfolges gegen den 1. FC Köln blieb die Eintracht auch im 13. Heimspiel in Folge ungeschlagen. Eine derartige Serie gab es zuletzt im Jahr 2000 unter dem damaligen Trainer Felix Magath.

Nur die kühnsten Optimisten hatten wohl vorab damit gerechnet, dass Alexander Meier gegen seinen Lieblingsgegner auf Kurs bleiben würde. Denn wie schon in der Vorsaison, als der Eintracht-Kapitän in beiden Spielen gegen den 1. FC Köln jeweils zumindest zwei Tore erzielte, wiederholte er dieses Kunststück ein drittes Mal.

Doch nicht nur Meier brillierte. Auch der Rest des Teams schien wie beflügelt und zeigte im Verbund die mit Abstand beste Saisonleistung. David Abraham beispielsweise glänzte in der Innenverteidigung als unüberwindliches Bollwerk. Marc Stendera als gesuchte Anspiel- und Aufbaustation verdiente sich gleichfalls Bestnoten. Und der selbstlose Seferovic, der im zweiten Abschnitt sogar noch auf 5:1 erhöhte (73.), stellte sich als fleißiger Sturm-Arbeiter ganz in den Dienst der Mannschaft.

 

Wie indirekt auch Stefan Aigner. Die Stammkraft auf dem rechten Außenposten musste erstmals in dieser Saison zuschauen. Neun Minuten vor dem Ende gelang den Kölnern noch der bedeutungslose Treffer Nummer zwei, erzielt durch Dominique Heintz, der mit einem Kopfball den starken Eintracht-Schlussmann Lukas Hradecky überwand. In der 87. Minute erlebte die tosende Frankfurter Arena ihren letzten großen Höhepunkt. Und wie schon zu Beginn der Partie war es Meier, der mit dem Kopf zuschlug. Sein dritter Treffer war der Schlusspunkt zum 6:2, zu einem Erfolg der Extraklasse.

Topspiele in der Bundesliga liegen der Eintracht. Wenn samstags das Flutlicht angeht und der Ball von 18.30 Uhr an ins Rollen kommt, haben die Frankfurter Fußballprofis besonders viel Freude, vor heimischer Kulisse ihrer Arbeit nachzugehen. Das 6:2 gegen Köln ist schon der fünfte Samstag-Sieg in Folge. Der Lohn: Die Eintracht ist an den Kölnern vorbeigezogen und steht nach vier Spielen auf Tabellenplatz vier.

Ein großes Verdienst gebührt dabei dem ältesten, erfahrensten und treffsichersten Eintracht-Spieler: Alexander Meier. Der gab sich nach der Partie – wie üblich – sehr bescheiden: „Man probiert einfach gut zu spielen und sich wieder reinzufuchsen. Das hat ganz gut geklappt.“