Beitrag in Die Welt von Julien Wolff
Thomas Müller und Serge Gnabry zeigen vor dem Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund, wie wichtig sie für den FC Bayern sind
Es blieb viel Zeit für die Pferdezucht. Aus dem Hobby von Thomas Müller ist längst ein zweites Standbein geworden, mit seiner Frau Lisa betreibt der Offensivstar des FC Bayern das Gestüt Gut Wettlkam, und in den vergangenen Wochen verbrachte Müller mehr Stunden als sonst mit der Lektüre von Pferde-Fachbüchern. Zwei Wochen musste er in Corona-Quarantäne verbringen, bald hatte der Fußball- Weltmeister genug und sagte augenzwinkernd: „Ich muss raus aus dem Stall.“
Samstag durfte er endlich. Vier Spiele hatte der 31-Jährige wegen seiner Infektion verpasst, gegen den 1. FC Köln gehörte er nach nur zwei Trainings mit der Mannschaft erstmals wieder zum Kader. Trainer Hans-Dieter „Hansi“ Flick wechselte Müller in der 64. Spielminute für Toptalent Jamal Musiala ein – und Müller bereitete mit seiner ersten Ballberührung nach nur 32 Sekunden auf dem Rasen das 3:1 von Robert Lewandowski vor. In einer Phase, als die Kölner dem Ausgleich nahe waren. Die Bayern gewannen 5:1 (2:0), siegten in der Bundesliga erstmals seit rund zwei Wochen und bleiben vor RB Leipzig Tabellenführer. „Erfolgreicher Arbeitstag“, resümierte Müller auf Instagram.
Ohne ihn war der deutsche Rekordmeister in der Liga auf lediglich einen Punkt aus zwei Partien gekommen. Für die Müllers war es ein perfektes Wochenende: Thomas zeigte erneut, wie wichtig er für die Bayern ist. Es war bereits seine elfte Vorlage, kein Spieler der Liga hat bislang mehr Treffer vorbereitet. Und seine Lisa war bei einem Reitturnier in Österreich erfolgreich. „Thomas hat Ruhe reingebracht, das war in dem Moment wichtig für uns“, sagte Flick. Seine Wechsel zahlten sich an diesem Nachmittag total aus: Serge Gnabry, der zuletzt wegen eines Muskelfaserrisses pausieren musste, hatte der Trainer ebenfalls rund eine halbe Stunde vor dem Abpfiff in die Partie gebracht, der Nationalspieler traf doppelt (82./86.) und erstmals in dieser Saison als Joker. „Wenn du während des Spiels Möglichkeiten hast, so zu wechseln – das ist einzigartig“, sagte Kölns Trainer Markus Gisdol über die „gefühlt 200 Millionen“ auf der Münchner Bank. Tatsächlich waren die Ersatzspieler der Bayern in Bezug auf den geschätzten Marktwert am Samstag 233,5 Millionen Euro wert.
„Es war ein bisschen langweilig zu Hause. Jetzt hat es wieder Spaß gemacht“, sagte Gnabry über seine Rückkehr nach der Verletzung. „Als Thomas und ich reingekommen sind, war es etwas brenzlig für uns. Wir haben versucht, ein bisschen Wind zu machen. Dann haben wir auch schnell das 3:1 gemacht. Danach fiel es uns wieder leichter.“ In Zukunft dürfe man nicht mehr „diese wackeligen Phasen“ im Spiel haben. „Wir haben in zwei Spielen den Vorsprung leider ein bisschen verspielt“, betonte Gnabry mit Blick auf das 3:3 gegen Arminia Bielefeld und das 1:2 bei Eintracht Frankfurt. „Wir wollen jetzt wieder jedes Spiel gewinnen und am Ende Meister werden.“ Und Offensivprofi Eric Maxim Choupo-Moting, dessen 1:0 sein erstes Bundesliga-Tor seit 2016 war, stellte fest: „Wir haben zu einfache Ballverluste, dann laufen wir hinterher und das kostet Kraft. Wir geben dem Gegner dadurch Selbstvertrauen.“ Bereits jetzt kommen die Bayern auf 32 Gegentore, so viele wie in der gesamten vergangenen Saison.
Samstag (18.30 Uhr, Sky) empfangen sie Borussia Dortmund. Rechtzeitig zum Topspiel ist ihre wichtige Achse wieder bereit und eingespielt: Mittelfeldspieler Leon Goretzka, der kürzlich ebenfalls positiv auf das Corona-Virus getestet worden war, bereitete gegen Köln drei Tore vor und war laut Flick der Spieler des Tages. Mit ihm, Müller und Gnabry um sich ist Stürmer Lewandowski besonders torgefährlich, gegen Köln traf auch er doppelt. Nach 23 Spieltagen kommt der Weltfußballer bereits auf 28 Treffer – das war noch keinem Spieler gelungen. Um den Rekord Gerd Müllers aus der Saison 1971/1972 einzustellen, fehlen ihm noch zwölf Treffer. Bei elf ausstehenden Partien ein ambitioniertes, aber machbares Ziel. Gerade mit Müller und Gnabry als Vorlagengeber. „Wir sind froh, dass beide so gut reingefunden haben und werden sehen, wie sie sich in den nächsten Spielen integrieren werden“, sagte Flick über das Duo. „Jetzt haben wir eine Woche Zeit, um beide nochmal näher ranzubringen.“ Über die defensiven Nachlässigkeiten schaue man sicher nicht hinweg. „Aber es ist wichtig, dass man auch mal zufrieden ist.“