Gladbach entscheidet das Derby für sich

20. August 2017

Beitrag auf faz.net von Richard Leipold

Eine Schlussoffensive reicht dem Europa-League-Teilnehmer nicht: Gladbach siegt im Rhein-Derby gegen den 1. FC Köln – kann aber längst nicht mit allem zufrieden sein.

Im Kabinengang warf Lars Stindl tatsächlich einen Blick auf die Tabelle – nach dem ersten Spieltag. „Fünfter, zusammen mit einigen anderen“, sagte der Kapitän von Borussia Mönchengladbach und wirkte äußerst zufrieden mit diesem Zwischenstand. Mehr Aussage- und Strahlkraft als das erste Ranking der Saison hatte jedoch das Ergebnis. Die Gladbacher starteten mit einem 1:0 über den rheinischen Rivalen 1. FC Köln. Zum entscheidenden Mann im Derby wurde Rechtsverteidiger Nico Elvedi, dem in seinem 47. Bundesligaspiel sein erstes Tor gelang (49. Minute). Kurz nach dem entscheidenden Treffer verhinderte der Schweizer bei einem Schuss des neuen FC-Stürmers Jhon Cordoba den möglichen Ausgleich der Kölner, die erst nach dem Gegentreffer besser ins Spiel kamen.

„Das war eine herausragende Aktion von ihm.“ So würdigte der Gladbacher Cheftrainer Dieter Hecking eine der spektakulärsten Szenen eines „rassigen Derbys, in dem alles drin war“. Für die Kölner war die Niederlage eine neue Erfahrung. Sie verloren zum ersten Mal unter der Regie ihres Trainers Peter Stöger eine Auftaktpartie. Der österreichische Fußball-Lehrer nahm es gelassen. „Die bessere Mannschaft hat gewonnen“, sagte er, „aber mit Ausnahme der ersten zwanzig Minuten haben wir ein ordentliches Spiel gemacht. Ärgerlich ist nur, dass wir beim Gegentor in einen Konter gelaufen sind.“

Die Gladbacher hatten in den ersten zwanzig Minuten ein beachtliches Tempo vorgelegt und sich eine Reihe guter Chancen erarbeitet. Allerdings blieben sie im Abschluss unproduktiv. Weder Hazard noch Stindl noch Raffael gelang es, die Überlegenheit auch im Ergebnis auszudrücken. Sie alle scheiterten am bestens aufgelegten FC-Torhüter Timo Horn. Dessen Vorderleute hatten alle Füße voll zu tun, dem Gladbacher Druck standzuhalten, für strukturierte Vorstöße ließ diese Art der Vollbeschäftigung ihnen in dieser Phase keinen Raum. Zweimal deutete der neue Stürmer Cordoba, als Nachfolger des Torjägers Anthony Modeste verpflichtet, zumindest an, dass auch die Kölner ihren Sonntagsdienst nicht frei von Ambitionen aufgenommen hatten. Kurz vor der Pause knüpften die Borussen nach einer ruhigeren Phase wieder an ihre erste Angriffswelle an. Raffael scheiterte abermals an Horn, ehe Hazard, diesmal ohne Zutun des Kölners, das halbe Dutzend vergebener Chancen voll machte.

Die Versäumnisse hielten die Gladbacher nicht davon ab, ihren sportlichen Anspruch auch nach der Pause zunächst energisch weiterzuverfolgen und das Versäumte rasch nachzuholen. Es passte zum Verlauf des Spiels, dass ein Verteidiger zur Stelle war, um Traorés präzise Vorarbeit zum Führungstreffer zu verarbeiten, der nach kurzem Innehalten auch den Bestätigungsvermerk des Video-Assistenten erhielt. Elvedis Tor spiegelte die Kräfteverhältnisse auf dem Rasen besser als das für Köln schmeichelhafte Unentschieden zur Halbzeit, bot den Borussen aber keinen Anlass, sich allzu sicher zu fühlen, zumal Raffael die Gelegenheit ungenutzt ließ, den Vorsprung alsbald auszubauen – er traf nur das Außennetz.

Gegen die nun „höher“ stehenden Kölner spielten sie nicht mehr ganz so dominant, sondern entdecken auch Konterfußball als Mittel der Wahl. Die Partie wurde abwechslungsreicher und blieb bis zum Schluss spannend, wohl auch deshalb, weil Gladbach dem Tempo der ersten Hälfte Tribut zollen musste. Den Kölnern fehlte es, bei allem Eifer, jedoch an Durchschlagskraft. Sie hatten keinen Modeste und seit der 59. Minute auch keinen Marcel Risse mehr. Der Mittelfeldspieler hatte in der Vorsaison die Partie kurz vor Schluss mit einem fulminanten Freistoß noch für den FC entschieden. Diesmal dagegen machte den Unterschied ein Gladbacher Abwehrmann aus, der sonst nicht zu treffen pflegt.