Köln gönnt der Eintracht wieder kein Tor

04. April 2017

Beitrag auf faz.net von Marc Heinrich

Auch vor den Augen der Kanzlerin bleibt Frankfurt offensiv harmlos und ist nun schon seit acht Ligaspielen ohne Sieg. Während die Kölner wieder von Europa träumen, muss sich die Eintracht auf ein unruhiges Saisonende einstellen.

einem waren sich die Gegner an diesem Abend einig: Mit der Absicht, sich vor den Augen der Bundeskanzlerin von der besten Seite zu präsentieren, waren beide Mannschaften in die Partie gestartet. Peter Stöger, der Trainer Kölner, war sogar einen Schritt weitergegangen und hatte den Besuch Angela Merkels im Stadion mit der Hoffnung verknüpft, dass sie sich als Glücksbringerin für den FC gegen Frankfurt entpuppen könnte.

Sein Wunsch erfüllte sich: Es waren die Rheinländer die am Dienstag, zum Auftakt des 27. Bundesliga-Spieltags, in der Begegnung mit der Eintracht den erfolgreicheren Fußball spielten und so 1:0 gewannen. Die Hessen verpassten also abermals einen Sieg. Nach zuvor schon sieben Anläufen, in denen außer zwei torlosen Unentschieden für sie nichts herausgesprungen war, machte ihr anfangs couragierter und zusehends verzagter Auftritt deutlich, dass sie für der Endphase der Saison mit Problemen rechnen müssen, wenn sie nicht umgehend ihre Ergebniskrise in den Griff bekommen. Durch die Niederlage verlor das Team von Niko Kovac im oberen Mittelfeld der Tabelle weiter an Boden. Anders die Kölner, deren Karten sich durch den ersten Erfolg im Anschluss an die Länderspielpause verbesserten.

Angela Merkel, die zu den 49.300 Besuchern im Stadion gehörte, nachdem sie sich zuvor ein Bild davon gemacht hatte, mit welchen Projekten die Stiftung des 1. FC Köln hilft, Flüchtlinge bei ihrer Integration zu unterstützen, ist bekanntermaßen vor allem ein Fan der deutschen Nationalmannschaft, der sie bei Welt- oder Europameisterschaften öffentlichkeitswirksam die Daumen drückt. Ganz so hochklassig war das Aufeinandertreffen der beiden Traditionsklubs nicht, aber spannend und dadurch kurzweilig.

Kovac hatte vorab gesagt, er müsse in Anbetracht der personellen Engpässe „zaubern“, um eine Aufstellung beisammen zu bekommen, die ihm passend erscheint. Die Elf, der er von Beginn an das Vertrauen schenkte, sah auf jeden Fall überraschend aus: Erstmals war Marius Wolf mit dabei, der Winterzugang aus der Reserve von Hannover 96. Dafür blieb der in der Rückrunde bis dato stets berücksichtigte Abwehrhüne Michael Hector zuhause – der Jamaikaner stellte dafür am Nachmittag Fotos ins Internet, die ihn auf der Einkaufstraße Zeil beim Kaffeetrinken mit den ebenfalls nicht nominierten Danny Blum und Max Besuschkow zeigten. Ein Einfall, für den sich das Trio von Kovac noch einige Takte wird anhören dürfen.

Wolf, der schmächtige Blondschopf, übernahm den nach der Chandler-Sperre vakanten Posten des Rechtsverteidigers. Er machte seine Sache bei der Premiere bis zur verletzungsbedingten Auswechslung ordentlich. Über seine Seite liefen viele Kölner Angriffsbemühungen, wobei das Duell mit dem routinierten Konstantin Rausch für ihn keine einfache Prüfung war; als sich Wolf in der 9. Minute nur mit einem Foul zu helfen wusste, wurde es das erste Mal gefährlich für Eintracht-Keeper Lukas Hradecky. Der Freistoß, von Milos Jojic getreten, segelte durch den Strafraum, Anthony Modeste und Dominique Heintz verpassten die Hereingabe nur knapp. Nach einem Ballverlust von Bastian Oczipka klärte danach Jesus Vallejo gegen Modeste, der sonst frei vor Hradecky aufgetaucht wäre (14.).

Auch auf der anderen Seite fiel Wolf auf – positiv. Seine Direktabnahme aus 16 Metern strich knapp am Pfosten vorbei (20.). Überhaupt konnten sich die Frankfurter zunehmend besser behaupten und hatten Mitte der ersten Halbzeit binnen Sekunden zweimal die Gelegenheit zur Führung: Zunächst landete ein Kopfball von Rebic an der Latte, und seinen Nachschuss wehrte FC-Schlussmann Timo Horn ab (26.). Bis zum Seitenwechsel verfehlte zudem Mijat Gacinovic bei einem Versuch das Ziel nur knapp (33.), während vom Kölner Anfangs-Elan kaum mehr etwas übrig war.

Im zweiten Abschnitt konnte die Eintracht ihre mutige Gangart gegen nun druckvollere Kölner nicht mehr aufrecht halten – und geriet prompt in Rückstand. David Abraham wehrte eine Flanke von Rausch direkt vor die Füße von Jojic ab, der aus 16 Metern nicht lange fackelte und die Kugel flach und unhaltbar zum 1:0 einschob (53.). Bei einem Freistoß bot sich Rebic die Möglichkeit zum Ausgleich, doch Horn parierte im Sprung (68.). Mit der Einwechslung von Stürmer Andersson Ordonez, der den am Oberschenkel angeschlagenen Wolf ersetzte (75.), läutete Kovac die hektische Schlussattacke ein. Aber auch mit dem zweiten Debütanten im Team klappte es nicht besser – und so blieb es dabei: Das Warten auf den ersten Frankfurter Sieg in Köln seit Mai 1994 geht weiter.