Beitrag auf faz.net von Daniel Theweleit
Vor der Bundesligasaison galten Köln und Schalke als Abstiegsanwärter ohne viel Geld. Nach der Hinrunde steht der FC Köln viel besser da. Es gibt viele kleine Gründe. Und eine Hauptursache.
Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden zwei der großen Traditionsvereine aus dem Fußballwesten gerne der gleichen Problemkategorie zugeordnet: Der 1. FC Köln und Schalke 04 seien akut vom Abstieg bedroht, prophezeiten Experten vor der Saison, weil beide Klubs wirtschaftlich schwer gebeutelt sind und im vergangenen Sommer nur äußerst sparsam in Verstärkungen investieren konnten.
Neben Bochum schienen diese beiden Vereine die schwächsten Kader der Liga zu haben, beide nahmen ausschließlich wenig bekannte Spieler unter Vertrag, die ablösefrei waren oder höchstens zwei Millionen Euro kosteten. Um sich mit Zugängen wie Tigges, Martel, Chabot, Maina oder Adamyan eine starke Saison in Köln vorzustellen, war ähnlich viel Phantasie nötig, wie für die Vision von einem königsblauen Erfolgsjahr mit Polter, Mohr, Kraus, Yoshida oder Greiml in Schlüsselrollen.
Auf Schalke dachten viele, Rouven Schröder werde es schon richten, schließlich hatte der mittlerweile zurückgetretene Sportdirektor mit seiner virtuosen Kadergestaltung im Jahr zuvor viel zum Aufstieg beigetragen. In Köln hingegen fragten sich Skeptiker: „Wie soll das mit der Europapokalbelastung und dem Abstiegskampf trotz des schmerzlichen Verlustes von Anthony Modeste funktionieren?“ Nach zwei Spielen im neuen Jahr ist manches klarer: Köln geht mit einer bestens funktionierenden Mannschaft in die Rückrunde, während Schalke zwar beim 0:3 in Frankfurt gut mitspielte, mitunter aber auch an eine orientierungslose Amateurtruppe erinnert wie beim furchtbaren 1:6 gegen RB Leipzig.
Der FC ist einfach viele Schritte weiter, was sich gut an zwei Spielern zeigen lässt: Denis Huseinbasic, der von Kickers Offenbach an den Rhein wechselte, spielt seit einem halben Jahr regelmäßig und stark, die Gelsenkirchener Winterentdeckung Soichiro Kozuki (kam im Sommer vom 1. FC Düren aus der Oberliga in die U 23) stieß aber erst jetzt zu den Profis. Womöglich wurden seine Stärken zu spät erkannt. Beim 1. FC Köln arbeitet mit Steffen Baumgart ein Trainer, der Spieler zuverlässig besser macht, während sich der längst entlassene Frank Kramer auf Schalke als nicht kompetent genug erwies.
etzt, nach 17 Spieltagen, ist der Revierklub unter dem neuen Trainer Thomas Reis eine Baustelle, auf der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Gewerk mehr termingerecht fertig gestellt werden kann. Während beim FC nach dem 7:1 gegen Bremen und dem beeindruckenden 1:1 beim FC Bayern ein Bauwerk erkennbar wird, das schöner werden könnte als angenommen. Viele kleine Gründe mögen dabei mitspielen, aber es gibt eine Hauptursache: In Köln sind Fachleute im Einsatz, die ihr Handwerk verstehen, während auf Schalke einfach zu viele Planungsfehler gemacht wurden.