Beitrag auf faz.net Richard Leipold
Die Kölner Fußballbegeisterung nimmt weiter zu: Der „Effzeh“ setzt seine Erfolgssaison auch im Pokal fort. Gegen Hoffenheim sind dafür aber 120 anstrengende Minuten nötig.
Der Anhang des 1. FC Köln jubilierte voller Inbrunst. „Die Nummer eins am Rhein sind wir!“, sangen die Fans auf der Südtribüne im Stakkato. Dabei schwang sicher auch Schadenfreude über das Pokal-Aus des Erzrivalen Bayer 04 Leverkusen mit, der sich tags zuvor gegen den Drittligaverein Sportfreunde Lotte blamiert hatte. Vor allem aber feierten die Kölner in karnevalsähnlicher Atmosphäre ihre Lieblingsmannschaft, die 1899 Hoffenheim nach Verlängerung 2:1 besiegt und das Achtelfinale des DFB-Pokals erreicht hat. Den entscheidenden Treffer erzielte Anthony Modeste in der ersten Minute der Verlängerung. Nach neunzig Minuten hatte es vor 43.000 Zuschauern 1:1 gestanden.
Hoffenheim hatte zunächst gefälliger und gefährlicher gewirkt und war dank Benjamin Hübners Kopfballtor früh in Führung gegangen (8.), doch dem stark spielenden Mittelfeldmann Marcel Risse gelang noch im ersten Durchgang der Ausgleich (36.). Danach lieferte Köln einen klassischen Pokalkampf und zeigte ein wenig mehr Siegeswillen als die in der Fußball-Bundesliga noch ungeschlagenen Hoffenheimer, die zuletzt mit einer Siegesserie auf den vierten Platz gestürmt waren.
Die Kraichgauer brauchten nicht lange, um sich im Rheinland zu akklimatisieren. Sie machten zunächst fast nahtlos dort weiter, wo sie wenige Tage ganz in der Nähe, beim Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen, aufgehört hatten und schossen das erste Tor. Zwei Abwehrspieler rückten auf in die vorderste Linie und schlüpften in die Rolle von Angreifern. Der rechte Verteidiger Niklas Süle flankte, sein Pendant auf links, Benjamin Hübner, vollstreckte mit dem Kopf. Die Kölner wirkten nach dem frühen Rückstand ein wenig konsterniert. Großen Schwung vermochten sie gegen die früh störenden Kraichgauer jedenfalls erst einmal nicht zu entwickeln.
Das Spiel der Heimelf konnte in dieser Phase noch nicht Schritt halten mit der Stimmung der Fans, die auf der Südtribüne mit ihren Gesängen eine überaus dichte Pokalatmosphäre erzeugten, was vielleicht auch daran lag, dass der „FC“ im nationalen Cup-Wettbewerb zum ersten Mal seit Dezember 2010 wieder im eigenen Stadion antreten durfte. Bei den ersten Vorstößen kamen die Kölner über das Stadium des Versuchs nicht hinaus, vieles schien noch dem Zufall überlassen, so etwa als Konstantin Rausch TSG-Torhüter Oliver Baumann zum ersten Mal prüfte - mit einem Schuss aus dem Halbfeld, der eher wie eine zu weit geratene Flanke aussah.
Mitte der ersten Hälfte wurden die Kölner energischer. Zwar kamen sie dem weiträumig abgeriegelten Strafraum des Gegners zunächst kaum näher, aber das war auch nicht nötig. Was aus der Nahdistanz nicht gelang, erledigte Mittelfeldspieler Marcel Risse mit einem fulminanten indirekten Freistoß, der aus ungefähr dreißig Metern Entfernung im Netz einschlug und den Ausgleich markierte. Kurz vor der Pause hätte FC-Torjäger Modeste die Rheinländer sogar in Führung bringen können, doch sein wuchtiger Flugkopfball verfehlte knapp das Ziel. Die Ballaktionen der Hoffenheimer wirkten gediegener, geschickter, die Kölner aber mobilisierten ihre Widerstandskräfte, kämpften sich mit Biss in diese Partie hinein und entrissen dem anfangs überlegenen Gegner nach und nach die Spielkontrolle, so dass sich zwischen dem Fünften und dem Vierten der Bundesliga ein lebhaftes Pokalspiel entwickelte.
Nach dem Seitenwechsel büßte die Partie ein wenig an Qualität ein; sie lebte vor allem von der Spannung und von der Stimmung. Gelegentlich riefen Distanzschüsse Gefahr hervor. Vor allem Modeste und Risse fielen in der Hoffenheimer Hälfte als Unruhestifter ins Auge. Eine Viertelstunde vor Ultimo stießen die Kölner doch einmal aussichtsreich in den Strafraum vor, aber Baumann parierte Risses abermals harten Schuss famos. auf der Ggenseite meldete sich Hoffenheim zurück, Amiri vergab kurz vor Ende der neunzig Minuten die große Chance zum Siegtor.
Die Partie ging in die Verlängerung, und Modeste, der den Ball aus kürzester Entfernung mit der Brust über Torlinie drückte, wurde zum umjubelten Matchwinner. Am Ende mussten die Kölner noch zittern, überstanden die Schlussoffensive des Gegners aber mit Glück und Geschick.