Beitrag auf faz.net von Christian Kamp
RB stürzt die Gegner vom 1. FC Köln zu Beginn fast im Minutentakt in Schwindelanfälle. Dass es am Ende nur zu einem 3:1-Sieg für Leipzig reicht, hat zwei Gründe.
In Leipzig war in dieser Woche viel von der Champions League die Rede – in doppelter Hinsicht. Was den einen Teil betrifft, legte man bei den Rasenballsportlern allerdings Wert darauf, dass es sich um eine Phantomdiskussion handle.
Es ging um einen Medienbericht aus Salzburg, wonach die Europäische Fußball-Union (Uefa) prüfe, ob beide Klubs mit dem Kürzel RB im Namen aufgrund der Wettbewerbsregeln nächstes Jahr in ein und derselben europäischen Konkurrenz starten dürften. Während ein Uefa-Sprecher von „Spekulation“ sprach und davon, dass eine Prüfung jetzt noch nicht anstehe, versicherten die Leipziger, dass keinerlei Sorgen bezüglich einer Startberechtigung in der Königsklasse bestünden.
Was Punkt zwei angeht, die reale sportliche Situation, ist der Aufsteiger zugleich in die Offensive gegangen. Der Sieg in der vergangenen Woche in Mönchengladbach, so sagte Sportdirektor Ralf Rangnick habe das Gefühl geweckt, dass es am Ende wirklich zu Rang zwei oder drei reichen könnte.
Nach dem zweiten vollen Erfolg gegen einen rheinischen Gegner binnen einer Woche ließ sich sagen: Das Gefühl trog ihn nicht. So wie die Leipziger am Samstag den 1. FC Köln zumindest in der ersten Hälfte fast im Minutentakt in Schwindelanfälle stürzten, lässt sich ein anderes Ziel kaum noch glaubhaft formulieren.
Dass es am Ende nur 3:1 für das Team von Ralph Hasenhüttl hieß, hatte zum einem mit verschwenderischem Chancenwucher in der ersten Hälfte zu tun, in der nur Emil Forsbergs frühe Führung (5. Minute) und ein Eigentor von Dominic Maroh (34.) zu Buche standen. Zum anderen ließen die Leipziger Artisten nach der Pause die Zügel schleifen, so dass es nach dem Anschlusstor von Yuya Osako (53.) zehn Minuten lang nach so etwas wie Spannung aussah – ehe Timo Werner wieder für eindeutige Verhältnisse sorgte (65.).
Leipzig veranstaltete einen Wirbel, der den Kölnern schier die Sinne raubte. Noch bevor Peter Stögers Team annähernd Zugriff gefunden hatte, leistete es sich zwei defensive Tölpeleien, durch Subotic und Kessler, von denen letztere bestraft wurde. Werner leitete den Ball nach einer Bogenlampe des Torwarts zu Forsberg. Der fackelte nicht lange – Flachschuss ins lange Eck, 1:0. Kurz danach hatte Maroh Glück, nach einem Foul als letzter Mann gegen Werner mit Gelb davonzukommen.
Ein gebrauchter Tag für ihn war es aber auch so. Nach einer guten halben Stunde lenkte er eine Flanke von Keita ins eigene Netz. Mit dem 0:2 zur Pause waren die Kölner bestens bedient. Nach der Pause stellte Stöger von Dreier- auf Viererkette um und brachte Zoller für Maroh. Das verschaffte Linderung, mehr aber nicht. Ein Konter der Leipziger Schule brachte Werner in Position – und sein Schuss aus spitzem Winkel die Entscheidung.