1. FC Köln - Entwicklung mit Verzögerung

26. September 2016

Beitrag auf sportschau.de von Marcus Bark

Zum zweiten Mal in einer Woche holt der 1. FC Köln einen Rückstand auf und bleibt in der Bundesliga ohne Niederlage. Das zeigt die Entwicklung, die schon für die vergangene Saison vorgesehen war. Die Analyse.

Dominique Heintz und Willi Orban tauschten im Kabinengang die Trikots. Die beiden Innenverteidiger haben eine gemeinsame Vergangenheit beim 1. FC Kaiserslautern und werden aus sportlichen Gründen froh sein, nun bei einem anderen Verein zu spielen. Während die Pfälzer den vorletzten Tabellenplatz in der 2. Bundesliga belegen, sind die Kölner und auch Orbans Leipziger nach dem 1:1 am Sonntag (25.09.16) im direkten Duell eine Klasse höher noch ohne Niederlage.

Von 39 möglichen Einsätzen in der Bundesliga kommt Heintz seit seinem Wechsel im Sommer 2015 auf 37. Er steht exemplarisch für den 1. FC Köln des Herbstes 2016: sehr solide, beständig, wenig spektakulär, kaum aus der Ruhe zu bringen. Erst zwei Tore kassierte die Mannschaft von Trainer Peter Stöger in dieser Saison, beide bedeuteten einen Rückstand. In Schalke gelang danach noch ein Sieg, gegen Leipzig wurde eine Niederlage vermieden.

Stöger bremst: "Kein Quantensprung"

Gegen den Aufsteiger zeigte sich, dass die Kölner den schon für die vergangene Saison geplanten Entwicklungsschritt geschafft haben, ein Spiel aktiver zu gestalten. "Ich würde nicht sagen, dass wir einen Quantensprung gemacht haben", bremste Stöger ein und verwies immerhin auf das "gute Potenzial". Ein Vorteil der Kölner ist, dass sie die Entwicklung weitestgehend zusammen genommen haben. Mit Konstantin Rausch stand gegen Leipzig nur ein Neuzugang in der Startelf.

Stögers Grundidee beruht weiterhin auf einer sicheren Defensive, die gerade im Zentrum wenig Raum für den Gegner lässt. Wie in den vier Bundesligaspielen zuvor, setzte Stöger auf eine 4-4-2-Grundordnung mit einer Kette auch im Mittelfeld. Beim frühen 0:1 schafften es die Leipziger, kurz vor dem Strafraum durch einen energischen Sprint des späteren Torschützen Oliver Burke nach innen eine 3:3-Gleichzahlsituation herzustellen. So etwas passierte den Kölner in dieser Saison selten. Beim vorbereitenden Pass von Marcel Sabitzer sah auch Heintz schlecht aus.

Alle Elemente eines aktiven Angriffsspiels

Doch der Innenverteidiger zahlte mit einer guten Aktion beim Ausgleich zurück. Sein scharfer Pass erreichte Rausch, der als Außenverteidiger weit vorgerückt war. Simon Zoller ging dann sofort erfolgreich ins Gegenpressing, nachdem der Ball verloren war. Beim folgenden Anspiel von Rausch zeigte Yuya Osako, was einen guten Stürmer ausmacht: schnelle Drehung, saubere Ballmitnahme, schneller und präziser Abschluss.

Das Tor, wie auch schon die drei Treffer auf Schalke über die linke Seite eingeleitet, zeigte in einer kurzen Sequenz, dass der 1. FC Köln auch gegen einen geordnet stehenden Gegner die Elemente beherrscht, die für ein erfolgreiches Angriffsspiel nötig sind. Osako ist nach langen Anlaufschwierigkeiten zu einer sehr guten Ergänzung zu Anthony Modeste geworden. "Er hat jetzt das Selbstvertrauen. Das gönnt ihm wirklich jeder", sagte Stöger über den Japaner. Modeste ist der Stürmer, der dank seines wuchtigen Körpers auch mit weiten Pässen angespielt werden kann, die gegen Leipzigs Pressing zwangsläufig mal gespielt werden müssen. Osako bewegt sich geschickt um Modeste herum, geht auch mal zurück ins Mittelfeld, um Räume für die Außen Marcel Risse und Simon Zoller zu schaffen, der vermutlich bald wieder vom noch verletzten Leonardo Bittencourt ersetzt wird.

Offen scheint, welche Position Jonas Hector künftig besetzen wird. Gegen Leipzig spielte er im defensiven Mittelfeld statt als linker Verteidiger. Mit 17 Fehlpässen verzeichnete er die meisten in seiner Mannschaft. Auf der anderen Seite waren auch deutlich die strategischen Fähigkeiten im kreativen Spielaufbau zu erkennen. Hier liegt die vielleicht letzte große Schwachstelle der Kölner - sollte Hector diese dauerhaft beheben können, wäre das eine weitere Meisterleistung Stögers.

Jetzt zu den Bayern

Als nächste Aufgabe wartet für die Kölner ein Auswärtsspiel beim FC Bayern. Peter Stöger blickte gelassen voraus: "Mal gucken, was da möglich ist. Es ist sicher angenehm, mit den Punkten im Rücken da hinzufahren. Ein Bonusspiel ist es aber nicht."