Union Berlin tritt mit Eta auf der Stelle

03. Mai 2026

Beitrag von Sebastian Stier, Berlin auf faz.net

Auch unter Marie-Louise Eta sind die Probleme von Union Berlin die altbekannten. Zum Klassenverbleib reicht es wohl dennoch. Und gegen Köln gibt es immerhin eine Premiere unter der neuen Cheftrainerin.

Es hätte viele Möglichkeiten gegeben, den ersten Punktgewinn als Trainerin eines Bundesligaklubs zu bejubeln, aber Marie-Louise Eta entschied sich für die verhaltenste. Einmal kurz die Faust gehoben, danach Abklatschen mit dem Trainerteam, das war’s. Keine Ekstase, kein Ausflippen, dabei hätte der späte Ausgleich durch Livan Burcu Anlass genug für gefühlsmäßige Ausnahmeerscheinungen geboten.

So lieferte Marie-Louise Eta das passende Bild zur Situation des 1. FC Union Berlin. Ein wenig freuen durfte man sich schon, aber bloß nicht zu sehr. Vermieden war der Abstieg am Samstagabend noch nicht, was daran lag, dass die beiden ärgsten Konkurrenten St.Pauli und Wolfsburg erst am Sonntag spielten. „Wir sind glücklich, dass wir einen Punkt holen konnten, aber wir wissen auch, dass es noch nicht vorbei ist“, sagte Eta. Eines ließ sich jedoch auch ohne Kenntnis der anderen Ergebnisse sagen: Union ist dem Klassenverbleib durch das 2:2 gegen den 1. FC Köln sehr viel näher gekommen. Das Gleiche lässt sich auch vom Gegner behaupten. Den Kölnern sollte ein weiteres Jahr Bundesliga relativ sicher sein bei nur noch zwei ausstehenden Spielen. Doch auch beim FC keine Spur von Überschwang. Nicht nur in diesem Punkt wiesen beide Klubs zuletzt Parallelen auf.

Köln und Union hatten Ende März und Anfang April jeweils ihre Cheftrainer ausgetauscht. In der Hoffnung, das seinerzeit gefährdete Saisonziel zu erreichen. In Köln ersetzte René Wagner Lukas Kwasniok, in Berlin übernahm Marie-Louise Eta für Steffen Baumgart. Obwohl der Plan der Verantwortlichen an beiden Standorten aufzugehen scheint, gilt für Köln wie für Berlin: überzeugend gelang das nicht. Vielmehr trug in erster Linie das schwache Abschneiden der Konkurrenz zum Gefühl der Sicherheit bei.

Das Problem mit der Erfolgsgeschichte

Vor allem beim 1. FC Union hatte man sich durch den Trainerwechsel hin zu Marie-Louise Eta zumindest eine kleine Erfolgsgeschichte versprochen. Was war das für ein Trubel gewesen im sonst eher beschaulichen Stadtteil Köpenick. Internationale Medienvertreter fluteten das Gelände, alle wollten die erste Cheftrainerin der Bundesliga sehen und hören. Es gab kaum jemand, der ihr intern diese Beförderung neidete. Wenn es eine packt, dann „Louie“, hieß es unter Unionern.

Ganz so einfach ist es dann aber nicht mit den Erfolgsgeschichten. Sie ziehen nicht einfach herauf wie der Wind vom nahegelegenen Müggelsee. Vor dem 2:2 gegen Köln hatte es für Eta und ihr Team gegen Wolfsburg (1:2) und RB Leipzig (1:3) Niederlagen gegeben. Ein Punkt aus drei Spielen ist keine Bilanz, bei der von einer Trendwende geredet werden darf. Vielmehr bleibt die Mannschaft auch unter Eta ihrem Abwärtstrend treu. In der Rückrunde hat Union lediglich zehn Punkte geholt. Nur der VfL Wolfsburg ist schlechter. Wäre da nicht die mehr als ordentliche Hinrunde, Union müsste sich deutlich ernsthafter mit dem Thema zweite Liga auseinandersetzen.

Wagners folgenschwerer Fehler

Nun ist es sicher viel verlangt von einer neuen Trainerin, dass sie auf Anhieb eine monate- wenn nicht gar jahrelange Fehlentwicklung stoppt. Unions Probleme sind schon sehr lange die gleichen, egal ob draußen an der Seitenlinie nun Bo Svensson, Steffen Baumgart oder Marie-Louise Eta steht. Der Mannschaft fällt es schwer, aus dem Spiel heraus so etwas wie Kreativität sichtbar werden zu lassen. Mit Ball fehlen zuverlässig die Lösungen, eine spielerische Weiterentwicklung ist im Grunde seit den Tagen von Urs Fischer nicht zu erkennen. Und der ist nun schon zweieinhalb Jahre weg. Was dagegen weiter zuverlässig funktioniert, ist eine Errungenschaft des Schweizers, Unions Stärke bei Standards sucht immer noch ihresgleichen. Gegen Köln war es ein Kopfball von Tom Rothe im Anschluss an eine Ecke, der Union nach Gegentoren von Marius Bülter und Said El Mala in Spiel zurückbrachte.

Kurios: Wenige Augenblicke zuvor hatte Kölns Trainer Rene Wagner seine quirligen Angreifer El Mala, Kaminski und Bülter gleichzeitig vom Feld genommen – ein folgenschwerer Fehler, wie sich herausstellen sollte. Bis dahin war Union wenig gelungen. Vor allem das erste Kölner Tor durch den ehemaligen Berliner Bülter hatte die Berliner Verunsicherung gezeigt.

Fälschlicherweise hatte der Linienrichter nach einer Abseitsstellung von El Mala die Fahne gehoben, nur spielte der Kölner Angreifer nicht den Ball. Er überließ für einen Mitspieler, kurz darauf traf Bülter. „Am Ende musst du trotzdem weiterspielen, wenn der Hauptschiedsrichter nicht pfeift. Aber ich verstehe die Jungs, wenn sie so reagieren“, sagte Marie-Louise Eta. Lange geärgert hat sie sich über die Szene aber nicht. Dafür bestand angesichts des nahenden Klassenverbleibs auch kein Grund.