Alles noch schlimmer für Köln

26. November 2017

Beitrag auf faz.net von Marcus Bark

Dreizehn Spiele und immer noch kein Sieg in der Liga. Der 1. FC Köln unterliegt auch gegen Hertha BSC und bleibt abgeschlagen auf dem letzten Platz. Die Mannschaft von Stöger weist weiter große Schwächen auf.

Die Ergebnisse der Konkurrenz waren schon schlecht, das eigene Spiel sorgte dann für ein gänzlich verkorkstes Wochenende des 1. FC Köln. Nach dem 0:2 gegen Hertha BSC beträgt der Rückstand des Tabellenletzten auf den Relegationsplatz in der Bundesliga schon neun Punkte. „Das war es noch nicht. Aber wir haben nur zwei Punkte, das ist bitter“, klagte der Kölner Stürmer Claudio Pizarro, der für den fast aussichtslosen Weg zur Rettung empfahl: „Arbeit, Arbeit.“

Man werde bis Weihnachten versuchen, „den Rückstand so gering wie möglich zu halten“, sagte Trainer Peter Stöger. In der Winterpause hofft er auf die Rückkehr verletzter Spieler und mögliche Neuverpflichtungen. Über sein Team sagte der Österreicher: „Das ist ein toller Haufen.“ Mit der Mannschaft werde er so lange wie möglich versuchen, die Tabellensituation „zu korrigieren“. An einen Rücktritt denke er nicht.

Frederik Sörensen fehlte den Kölnern am Sonntagabend wegen einer Gelbsperre, Dominique Heintz fällt bereits länger wegen einer Oberschenkelverletzung aus. Beim Sieg gegen den FC Arsenal in der Europa League humpelte Dominic Maroh am Donnerstag schon während der ersten Halbzeit vom Platz. Die personelle Not in der Innenverteidigung war groß. Stöger wollte dennoch mit Dreierkette spielen. Er zog Kapitän Matthias Lehmann aus dem Mittelfeld ab und vertraute Yann Aurel Bisseck den Platz am rechten Ende der Kette an.

Bisseck wird am Mittwoch 17 Jahre alt. Er ist nach dem Dortmunder Nuri Sahin der zweitjüngste Debütant in der Bundesligageschichte. Als Pizarro heiratete, war der Abiturient noch nicht geboren. Bisseck, der mit der deutschen U17 vor einigen Wochen bei der Weltmeisterschaft in Indien bis ins Viertelfinale kam, hatte drei Zweikämpfe bestritten und alle gewonnen, als die Berliner in Führung gingen: Davie Selke gewann ein Kopfballduell gegen Salih Özcan, Vedad Ibisevic profitierte von einem schläfrigen Lukas Klünter.

Der Kölner war dem Tor zu nah, sodass er vergeblich eine Abseitsstellung reklamierte. Den Kopfball von Ibisevic wehrte Timo Horn noch ab, den Nachschuss schob der Stürmer mühelos aus kurzer Distanz ein (17. Minute). Die Berliner waren spielerisch überlegen und im Angriff gefährlicher. Horn verhinderte bei einem Volleyschuss von Ibisevic das 0:2 (26.). Eine Minute zuvor hatte Sehrou Guirassy die beste Chance der Kölner vergeben.

Stöger nahm Milos Jojic zur Pause aus dem Spiel, der vor allem durch zwei Fehlpässe mit der Hacke aufgefallen war. Lehmann rückte eine Position nach vorne, im 4-4-2-System sollte so die Wende geschafft werden. Ein Schuss von Guirassy aus der Drehung wurde von Karim Rekik mit der Hand geblockt. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus hörte sich zunächst an, was ihre Video-Assistenten dazu sagten und machte sich dann selbst ein Bild – kein Elfmeter. Handwerker, der für Jojic eingewechselt worden war, versorgte Herthas Torwart Rune Jarstein dann mal mit Arbeit.

Nach dem abgewehrten Distanzschuss animierte der Kölner die Südtribüne, lauter zu werden (60.). Es war das letzte Aufbäumen des Tabellenletzten. Vier Minuten später rannte Lehmann den schnelleren Selke im Strafraum um. Ibisevic verwandelte den Elfmeter zu seinem zweiten Treffer des Abends (64.). Mit geringem Aufwand sicherten die Berliner danach den vierten Saisonsieg, der ihnen sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz verschaffte. Bei den Kölnern feierte mit Nikolas Nartey ein weiterer Spieler sein Bundesligadebüt. Er ist zwar schon 17 Jahre alt, war aber auch noch nicht geboren, als Claudio Pizarro heiratete.