„Irgendwann bist du vom Kopf her am Arsch“

27. November 2017

Beitrag auf faz.net 

Peter Stöger bleibt Trainer des Fußball-Bundesligaverein 1. FC Köln. „Peter Stöger bereitet die Mannschaft auf das Spiel auf Schalke vor und wird am Samstag auch auf der Bank sitzen“, erklärte Vize-Präsident Toni Schumacher am Montagmorgen. Auch Geschäftsführer Alexander Wehrle bestätigte dies. Eine Aussage über die weitere Zukunft Stögers gibt es derzeit nicht. Der 51 Jahre alte Österreicher ist seit 2013 in Köln tätig und hat noch einen Vertrag bis 2020. Er führte den FC in die Bundesliga und in der vergangenen Saison sogar erstmals seit 25 Jahren in den Europacup. In dieser Spielzeit haben die Kölner nach 13 Spielen aber erst zwei Punkte.

Nach der 0:2-Heimniederlage des abgeschlagenen Tabellenletzten am Sonntag gegen Hertha BSC hatten die Kölner Bosse nach Informationen des „Express“ im Haus von Präsident Werner Spinner getagt und dabei auch über die Zukunft Stögers gesprochen. „Dass man in unserer Situation häufiger das Gespräch sucht und sich austauscht, halte ich für völlig normal“, sagte Wehrle. „Dass man den Inhalt solcher Gespräche nicht öffentlich macht, auch.“ Schon zuvor hatte Schumacher gesagt: „Wir werden nachher dazu etwas bekanntgeben.“ Der Coach antwortete auf Fragen danach einsilbig: „Dazu kann ich nichts sagen. Ich war ja nicht dabei.“

Die Stille in den letzten Spielminuten am Sonntag beim 0:2 gegen Hertha war fast strafender als die Pfiffe nach Spielende: Auch die Fans haben nur noch geringe Hoffnung auf den Klassenverbleib in der Fußball-Bundesliga. Angesichts von zwei Punkten aus 13 Spielen fragen sich viele: Wie geht es jetzt überhaupt weiter? Kapitän Matthias Lehmann überraschte, als er kein deutliches Plädoyer mehr für Coach Peter Stöger abgab. „Wir haben zwei Punkte, aber es ist nicht meine Aufgabe, den Trainer zu köpfen. Das ist Aufgabe der Leute oben oder vom Trainer selbst“, sagte er. Für die Forderung von „Sky“-Experte Dietmar Hamann nach einem Trainerwechsel hatte der 34-Jährige Verständnis: „Didi Hamann ist lange genug selbst dabei, um zu sagen: Wenn man einen Impuls freisetzen will, ist das vielleicht eine Möglichkeit.“ Stöger schloss einen Rücktritt weiter kategorisch aus: „Da könnt ihr mich jede Woche fragen. Da könnt ihr auch denken, dass ich nicht ganz dicht bin.“

Ein neuer Sportchef soll bald kommen und Horst Heldt heißen. Spätestens nach einem ungeschickten TV-Auftritt von Vize-Präsident Schumacher wird das aber schwierig. „Wir haben natürlich mitbekommen, dass in Hannover in der Führungsriege so einige Dinge nicht stimmen“, hatte der frühere Nationaltorhüter bei „Sky“ gesagt. Hannover-Präsident Martin Kind reagierte verärgert: „Niveaulos“ seien Schumachers Ausführungen: „Mich stört, dass Herr Schumacher über uns redet, noch dazu falsch. Das geht ihn alles nichts an.“ Bei „Reviersport“ stellte Kind klar, Heldt nicht freizugeben, „komme was wolle. Und er ist Profi genug, das zu akzeptieren.“ Schumacher hatte berichtet, Heldt wolle gerne zum FC kommen.

Die Moral beim FC schwindet. Gegen Hertha begann der FC gut, nach dem 0:1 war quasi der Stecker gezogen. „Irgendwann bist du vom Kopf her am Arsch“, sagte Lehmann: „Wenn du so viele Schläge in die Fresse kriegst, zermürbt dich das irgendwann. Das macht dich kaputt.“ Elf Spieler fehlten dem FC die Hertha, darunter fast die komplette Abwehr. Auf Schalke kommt Frederik Sörensen nach Gelbsperre zurück, Leonardo Bittencourt auch. Ansonsten fehlen die meisten Verletzten bis zur Winterpause.

Doch der 16-Jährige blieb cool, überzeugte – war aber anschließend dennoch unzufrieden. „Natürlich möchte man beim Debüt nicht verlieren, deshalb bin ich eher unglücklich“, sagte er nach der 0:2-Niederlage. Vergessen wird Bisseck den Tag dennoch nie. „Natürlich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen“, erzählte der Student der Volkswirtschaftslehre. „Ich spiele seit elf Jahren für diesen Klub. Also quasi mein ganzes Leben lang.“ Angesichts seiner Leistung und des langfristigen Ausfalls mehrerer Innenverteidiger dürfte er keine Eintagsfliege werden. Bisseck hat sich erstmal im Kader festgespielt.

Die Fans jedenfalls haben auch in der größten sportlichen Krise Humor und Optimismus nicht verloren. Kurz nach der Heimniederlage gegen Hertha wurde bei Facebook eine Gruppe zur Veranstaltung „1.FC Köln Aufstiegsfeier 2019“ gegründet. Am Montagmorgen hatten bereits 1000 Fans ihre Teilnahme am Termin bestätigt, mehr als 2000 hatten ihr Interesse bekundet. Nach 13 Spielen haben die Kölner mit zwei Punkten die schlechteste Ausbeute der Bundesliga-Historie. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt bereits neun Zähler. Der FC ist schon fünf Mal aus der Bundesliga abgestiegen.