Arsenal verantwortet Chaos – nicht die FC-Fans

15. September 2017

Beitrag auf welt.de von Simon Pausch

Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen: 110 Polizisten waren anfangs zur Sicherung des Europa-League-Spiels zwischen Arsenal und dem 1. FC Köln eingeteilt – 110. Sie standen einer Flut von 15.000 bis in die Haarspitzen euphorisierten Fans aus dem Rheinland gegenüber. Das konnte nicht gut gehen.

Seit Wochen war klar, dass es eine wahre Völkerwanderung anlässlich der Europa-Rückkehr des FC geben würde. Die Klubverantwortlichen fragten mehrfach an, das Kontingent an Gästetickets zu erhöhen. Doch Arsenal und die Uefa insistierten: Mehr als die von der Uefa vorgeschriebenen 2900 Karten gibt es nicht. Und übrigens: Alle anderen Bereiche des Stadions sind tabu für Kölner Anhänger. Das Sicherheitskonzept wurde offensichtlich nicht an den zu erwartenden Ansturm angepasst. Welch eine Ignoranz!

10.000 FC-Fans im Stadion

Nun ist es nicht so, dass die „Gunners“ vor lauter Freude über die Europa-League-Teilnahme nicht in den Schlaf finden. Im Gegenteil: Trainer, Spieler und offenbar auch den Fans kommt es vor wie eine lästige Pflicht. Im offiziell ausverkauften Stadion klafften unzählige leere Sitze. Stimmung abseits der Kölner? Fehlanzeige.

Zum Glück waren am Ende doch rund 10.000 von diesen im Stadion. Auf allen erdenkliche Kanälen hatten sie sich Tickets besorgt. Und natürlich haben sie sich nicht einfach am Eingang abweisen lassen.

Es entstand erst ein gefährliches Gedränge und anschließend eine 60-minütige Verspätung, angeblich war die Partie sogar kurz vor dem Abbruch. Zahlreiche Sicherheitskräfte wurden nachträglich angefordert, weil sich ihre Kollegen überraschenderweise arg unterbesetzt vorkamen. Gemessen daran war die Bilanz mit fünf Festnahmen von unverbesserlichen Krawallmachern geradezu harmlos.

Mehr Kölner in London als Hoffenheimer in Hoffenheim

Im Stadion fühlten sich einige Briten laut englischen Medienberichten nicht sicher, weil um sie herum lauter Kölner saßen oder schlimmer noch: standen. Findige Ordner begannen daraufhin, die verängstigten „Gunners“-Anhänger in andere Stadionbereiche umzusiedeln. Mit Ausnahme einiger Rangeleien am Rande des FC-Blocks erlebten alle Besucher so einen doch noch gelungenen Fußballabend, Arsenal gewann 3:1 (0:1). Das hätte man auch einfacher haben können.

Warum ist im Vorfeld niemand auf die Idee gekommen, einfach eine Tribüne für die FC-Anhänger freizuräumen? Mit ihrer Leidenschaft sind sie ein Segen für den Wettbewerb, bei dem ausverkaufte Stadien eine Seltenheit sind. Nur ein Beispiel: Es waren mehr Kölner in London als Hoffenheimer in der heimischen SAP-Arena.