Dortmunder Gala mit Nachspiel

17. September 2017

Beitrag auf faz.net von Richard Leipold

Neuer Ärger um den Videobeweis: Der 1. FC Köln sieht beim 0:5 gegen Borussia Dortmund einen Regelverstoß in vorentscheidender Szene – und kündigt gegen die Spielwertung Protest an.

Dem Ergebnis nach war die Partie zwischen Borussia Dortmund und dem 1. FC Köln eine klare Sache. Das 5:0 für die Westfalen spiegelte angemessen den Spielverlauf eines jederzeit einseitigen Fußballspiels. Dennoch dachten die Kölner nach dem Schlusspfiff gar nicht daran, sich geschlagen zu geben. FC-Geschäftsführer Jörg Schmadtke kündigte am Sonntagabend an, Protest gegen die Wertung der Partie einzulegen.

Nach Auffassung des FC-Sportchefs war das Spiel durch eine „krasse Fehlentscheidung“ des Schiedsrichtergespanns beim Dortmunder Tor zum 2:0 entscheidend beeinflusst worden. „Ich plädiere dafür, dass wir uns an das Protokoll halten, in dem klar festgelegt ist, wann der Assistent einzugreifen hat und wann nicht. Es kann nicht jeder machen, was er will. Wir werden auf jeden fall Protest einlegen und streben eine Neuansetzung an.“

Seine Kritik zielte auf die Bewertung der Szene, die in der Nachspielzeit der ersten Hälfte zum zweiten Dortmunder Tor führte. Nach Sokratis’ körperbetontem Einsatz gegen Torhüter Timo Horn wollte Schiedsrichter Patrick Ittrich den Treffer zunächst nicht anerkennen, ließ sich dann aber vom Video-Assistenten umstimmen – und das Tor gelten.

Der Kölner Protest gründet sich auf den Pfiff des Schiedsrichters. Der Ball soll die Linie erst überquert haben, nachdem der Pfiff bereits ertönt war. Nach Schmadtkes Argumentation hätte der in Köln sitzende Videoassistent in diesem Fall nicht eingreifen dürfen. Auch FC-Trainer Peter Stöger sprach sich dafür aus, den Fall juristisch aufzuarbeiten. „Das gehört geklärt“, sagte er. Der Fußball-Lehrer erkannte aber an, dass die bessere Mannschaft „auch in dieser Höhe verdient“ gewonnen habe. Beim BVB stieß die Reaktion der Kölner auf Unverständnis.

„Wenn man nicht verlieren kann, greift man zu solchen Mitteln. Schießt man im Spiel zwei Mal aufs Tor und der Gegner macht fünf Tore, dann hat man einfach zu Recht verloren und muss sich das klipp und klar eingestehen. Das ist die Attitüde eines schlechten Verlierers“, sagte Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der BVB-Geschäftsführung.

Der umstrittene Videobeweis rückte die klare sportliche Überlegenheit der Dortmunder in den Hintergrund. Besonders nach der Pause spielten die Borussen so stark, dass sogar Pierre-Emerick Aubameyang zum Zuge kam, für den Spiele gegen Köln eine ganz besondere Herausforderung waren. 

Der rheinische Traditionsklub war der einzige von siebzehn Bundesligavereinen, gegen den der Dortmunder Stürmerstar noch nie ein Tor geschossen hatte. Diese Serie ist gerissen. Beim 5:0 gegen den Tabellenletzten gelang ihm sogar ein „Doppelpack“ (59./60.), die weiteren Treffer erzielten Maximilian Philipp, der auch zweimal traf (2./69.), und eben Sokratis (45.).

Dortmund blieb auch im vierzigsten Heimspiel nacheinander ungeschlagen und ist wieder Tabellenführer. Der „FC“ dagegen bestätigte mit einer schwachen Leistung seinen miserablen Saisonstart und bleibt ohne Punkt. Die Kölner waren weit davon entfernt, auch nur die Illusion zu wecken, sie könnten ihre Serie von 26 Jahren ohne Auswärtssieg gegen den BVB beenden.

Die Dortmunder waren früh in Fahrt gekommen – und in Führung gegangen. Philipp nutzte eine scharfe Flanke des ukrainischen Stürmers Andrej Jarmolenko zu einem präzisen Kopfball. Eine Koproduktion zweier Spieler, die zuletzt noch um eine Planstelle konkurriert hatten. In der Partie bei Tottenham Hotspur hatte Jarmolenko den früheren Freiburger noch aus der Startelf verdrängt. Diesmal stürmten beide – Philipp auf dem linken, Jarmolenko auf dem rechten Flügel.

Diesmal musste Christian Pulisic mit einem Platz auf der Ersatzbank vorlieb nehmen. Jarmolenkos selbstbewusster Auftritt machte seinem Gegenüber mächtig zu schaffen. Jannes-Kilian Horn sah sich bei den Vorstößen des Angreifers einige Male überfordert. Als Jarmolenko das 1:0 vorbereitete, wirkte der Verteidiger wie ein interessierter Beobachter. Wieder ein schlechter Start für die Kölner, die als einzige Mannschaft ohne Punkt in den vierten Spieltag gegangenen waren.

Mit der Führung im Rücken hatten die Dortmunder leichtes Spiel, auch ohne ihren Mittelfeldstrategen Mario Götze, der sich gegen Tottenham am Kiefer verletzt hatte und nicht im Aufgebot stand. Der BVB kam in der ersten Spielhälfte auf einen Ballbesitzanteil von 75 Prozent, wusste aber zunächst nicht mehr daraus zu machen. Den Dortmunder Angriffen fehlte es an Wucht und Präzision, bis das umstrittene zweite Tor fiel.

Nach der Pause wurde die Überlegenheit der Heimelf immer erdrückender und schlug sich auch im Ergebnis nieder. Aubameyang gelang binnen einer Minute ein Doppelschlag. Erst nutzte er einen Handelfmeter (Abwehrmann Klünter war durch den Videobeweis überführt worden), dann eine Flanke von Piszczek, um das Resultat in die Höhe zu schrauben. Auch für FC-Trainer Stöger war es trotz des Streits am Ende „keine Frage, wer die bessere Mannschaft war“.