Aus allen königsblauen Träumen geholt

04. Oktober 2015

Beitrag von Richard Leipold auf faz.net

Den besten Saisonstart der Vereinshistorie schon vor Augen, werden die Gelsenkirchener ziemlich heftig ausgekontert und gehen gegen den 1. FC Köln 0:3 unter.

Die Fußballprofis des FC Schalke 04 hatten sich vorgenommen, etwas Großes zu leisten. Noch nie in ihrer langen Geschichte hatten die Königsblauen sieben Pflichtspiele nacheinander gewonnen. Doch diese historische Marke wird auch weiter Bestand haben. Gegen den 1. FC Köln verpassten die Gelsenkirchener ihr großes Ziel. Die Rheinländer waren zu clever, um sich von einfallslosen Schalkern aus der Reserve locken zu lassen. Mit solider Abwehrarbeit und gediegenem Konterfußball besiegte der FC den Revierklub am Ende deutlich. Anthony Modeste (45. Minute), Yannick Gerhardt (79.), Simon Zoller (84.) schossen die Tore zum 3:0 für Köln.

Die jüngste Erfolgsserie hatte „auf“ Schalke Ansprüche geweckt. Damit kamen die Spieler auf dem Rasen nicht besonders gut zurecht. Gegen ein konzentriertes Kölner Kollektiv fiel es ihnen schwer, sich auf dem Weg nach vorn durchzusetzen. Die besten Chancen hatten in der ersten halben Stunde die Rheinländer. Deren Stürmer Modeste verpasste es binnen einer Minute zweimal in aussichtsreicher Position, seine Elf in Führung zu bringen. Dazu erschreckte Gerhardt die Gelsenkirchener mit gefährlichen Weitschüssen. Schalke war also nicht mehr nur durch die Ergebnisse der vergangenen Saison gewarnt – da hatte Köln beide Spiele gewonnen.

Doch allen Warnungen zum Trotz ließ die Heimelf sich auf ein Spiel ein, das den Kölnern behagte und Gelegenheit zum Kontern bot. Kurz vor der Pause nutzten sie einen dieser Gegenstöße zum Führungstreffer. Mittelfeldspieler Leonardo Bittencourt sah plötzlich eine Lücke im Abwehrverbund und bescherte Modeste seinen dritten Versuch in dieser Partie. Diesmal zeigte der FC-Stürmer sich als kühler Vollstrecker und erzielte mit einem Schuss durch die Beine des Torwarts seinen sechsten Saisontreffer, der für Schalke das erste Gegentor nach fünf Pflichtpartien bedeutete.

Andre Breitenreiter, der Cheftrainer des FC Schalke, hatte vier seiner jugendlichen Helden in die Startelf berufen. Aber weder den zentralen Mittelfeldspielern Johannes Geis und Leon Goretzka ging die Arbeit leicht vom Fuß noch Max Meyer, der weiter außen und weiter vorn postiert war. Der Ballbesitz und die Zweikampfwerte sprachen zwar für Schalke, aber produktiv war der Tabellendritte nicht. Huntelaars Kopfball ans Außennetz und ein Volleyschuss von Sane, den Torwart Horn famos parierte, blieben in der ersten Hälfte die einzigen sichtbaren Nachweise der Gelsenkirchener Bemühungen.

Nach dem Seitenwechsel versuchten die Gelsenkirchener vergeblich, ihre Produktivität zu steigern. Aber es fehlte ihnen an einer zündenden Idee, das rote Bollwerk zu knacken. Auf der Gegenseite gab Osako einen Schreckschuss ab, danach zogen die Kölner sich zurück und konzentrierten sich lange Zeit erst einmal darauf, Schalke vom eigenen Tor fernzuhalten. Die Gelsenkirchener suchten und suchten und suchten nach einer Lücke, fanden sie aber nicht. Um den Vorstößen mehr Dynamik zu verleihen, schickte Breitenreiter für Goretzka, der nicht seinen besten Tag hatte, Eric-Maxim Choupo-Moting aufs Feld, auch er blieb aber ohne Wirkung.

Obwohl die Kölner sich inzwischen fast nur noch der Abwehrarbeit widmeten und sich eine halbe Stunde lang wenig Entlastung verschafften, boten sich dem FC in der Schlussphase noch genug Möglichkeiten, den Vorsprung auszubauen. Während Schalke gegen Ende entnervt wirkte, krönten die Kölner ihren cleveren Auftritt mit zwei weiteren Toren und schufen letztlich sogar ganz eindeutige Verhältnisse.