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Die Borussia verliert das fünfte Spiel in Folge. Das 0:1 gegen den 1. FC Köln war ein sportlicher Offenbarungseid. Nun wird die Luft für Trainer Lucien Favre langsam dünner
Borussia Mönchengladbach kann einfach nicht mehr gewinnen. Auch das fünfte Saisonspiel verlor die Mannschaft von Trainer Lucien Favre. Beim 0:1 (0:0) im Nachbarschaftsduell gegen den 1. FC Köln blieb der Champions-League-Teilnehmer chancenlos und steht weiter am Tabellenende.
Das Rheinderby elektrisiert normalerweise die Massen. Doch diesmal? Leere Ränge. Die Gladbacher Fans hatten zum Boykott aufgerufen. 1800 der 3500 Gästekarten wurden zurückgeschickt, stattdessen versammelten sich die Borussen-Anhänger in den heimischen Kneipen, um das Spiel dort am Fernseher zu verfolgen. Mit ihrem Fernbleiben demonstrierten sie gegen verschärfte Sicherheitsauflagen, personalisierte Eintrittskarten und die Begrenzung des Kartenkontingents für gegnerische Fans. Nachdem im letzten Duell der beiden Mannschaften Kölner Ultras auf den Platz gestürmt waren, hatte der Deutsche Fußball-Bund das Kontingent für Gästetickets eingeschränkt und die Karten nur personalisiert abgegeben. Dagegen wehrten sich Teile der organisierten Gladbacher Fans und erhielten dabei sogar Unterstützung der sonst so verhassten Kölner. FC-Sportdirektor Jörg Schmadtke hingegen schüttelte über den Boykott den Kopf: "Sie lassen die Mannschaft im Stich. Damit zeigen sie einmal mehr: Ihre Eigeninteressen stehen weit über denen des Vereins", sagte er dem "Express".
Beide Mannschaften hatten Unterstützung dringend nötig. Den Kölnern steckte die 2:6-Packung gegen Eintracht Frankfurt noch in den Stutzen, Mönchengladbach kam mit vier Liga- und einer Champions-League-Niederlage im Gepäck nach Köln. Borussen-Trainer Lucien Favre sucht seit Wochen verzweifelt nach der richtigen Mischung in seinem Team. Diesmal ließ er Neuzugang Lars Stindl draußen.
Die Zuschauer, die dem Derby ferngeblieben waren, verpassten vor allem vor der Pause herzlich wenig. Gladbach hatte mehr vom Spiel, Köln dafür die Chancen. Marcel Risse schoss nach einem Konter drüber (5.), dann hielt Borussia-Keeper Yann Sommer gegen Leonardo Bittencourt (18.) und Yuya Osako (42.). Doch insgesamt war es ziemlich uninspiriert, was die beiden Teams boten. Vor allem die Gäste, in der vergangenen Saison noch bärenstark, enttäuschten komplett.
Nach dem Seitenwechsel wurde es dann endgültig bitter für die Borussen. Nach 64 Minuten durfte Bittencourt vom linken Flügel flanken, in der Mitte lauerte Anthony Modeste und köpfte aus acht Metern zum 1:0 ins rechte Eck. Dabei ließ er Verteidiger Andreas Christensen nicht gut aussehen. Der Rückstand brachte die Borussen endgültig aus dem Konzept. Ideenlos rannten sie gegen die gut gestaffelte Kölner Defensive an. Nicht eine echte Chance erarbeitete sich der Tabellendritte der vergangenen Saison. Und so konnten die Gastgeber den ersten Heimsieg im Rheinderby seit zehn Jahren bejubeln. Für die Gladbacher und Chefcoach Favre hingegen bricht nun endgültig eine harte Zeit an.
Die fünfte Niederlage im fünften Ligaspiel lässt alle Alarmglocken schrillen. 2008 verlor der Schweizer mit Hertha BSC die ersten sieben Pflichtspiele der Saison – und wurde entlassen. "Das war wieder eine unnötige Niederlage. Wir müssen versuchen, wieder mit mehr Vertrauen zu spielen. Viele kleine Sachen sind zu korrigieren", sagte Favre bei "Sky".