Der 1. FC Köln bewegt sich seitwärts mit voller Kraft

26. April 2026

Beitrag von Von Daniel Theweleit, Köln auf faz.net

Viel Schwung, viele Störfaktoren: Nach dem Trainerwechsel hat sich beim 1. FC Köln wenig verändert. Auch über einen Elfmeter müssen sich die Rheinländer gegen Leverkusen wieder mal aufregen.

In der Regel dauert es nicht lange, bis Fußballtrainer mit einem bestimmten Image versehen werden, und so wurde auch René Wagner während seiner ersten vier Wochen beim 1. FC Köln umgehend in bestimmte Schubladen einsortiert. Der 32 Jahre alte Dresdner sei kommunikativ, empathisch und verlässlich, heißt es.

„Wenn es mal schwer wird und vielleicht nicht erfolgreich ist, gilt es, berechenbar zu bleiben“, hat Wagner vorige Woche gesagt, womit er sich explizit von seinem in seinen Aussagen mitunter unbedachten Vorgänger Lukas Kwasniok abgrenzte. Am Samstag nach dem 1:2 der Kölner im rheinischen Derby gegen Bayer Leverkusen tat Wagner dann aber doch etwas sehr Überraschendes.

Als sein Leverkusener Kollege Kasper Hjulmand auf den trockenen Rasen hinwies, der das Kombinationsspiel seines Teams erschwert habe, wechselte der Kölner Trainer ins Englische und wurde energisch: „Wenn das der Fall wäre, dass der Platz nicht nass war, würden wir uns dafür entschuldigen. Aber das war nicht der Fall. Das haben wir nicht gemacht, deshalb ist es nicht fair, das zu sagen.“ Hjulmand wirkte ungefähr so verblüfft, wie es von Spielern berichtet wird, die sich von manchen Vorträgen Kwasnioks vor den Kopf gestoßen fühlten.

Zu viele Chancen vergeben

Solche Details sind nach vier Spielen und der ersten Niederlage mit Wagner interessant. Denn auf vielen Ebenen hat sich wenig verändert beim FC, ganz im Gegenteil. Wie unter Kwasniok spielt das Team meist engagiert und gut, die Leistung gegen den Rivalen von der anderen Rheinseite war sogar hervorragend. Das Publikum feierte die Mannschaft trotz Derbyniederlage, Wagner war „unfassbar stolz“, und Eric Martel sagte: „Es geht um die Art und Weise, wie wir das Spiel gestaltet haben, und die fand ich heute wirklich gut.“ Bloß die Punkte fehlten, wie in so vielen Spielen dieser Saison, ganz egal mit welchem Trainer.

13 gute Chancen hatte der FC, allein Saïd El Mala schoss neunmal auf das Tor von Bayer 04. Einmal hatte der Angreifer den Torhüter Janis Blaswich bereits ausgespielt und traf aus zwar ungünstigem, aber keinesfalls unmöglichem Winkel nur den Pfosten. „Wenn wir mutig sind, konsequent sind, die richtigen Entscheidungen treffen, dann müssen wir uns nicht verstecken, dann sind wir auch gut“, sagte Luca Waldschmidt. Die Chancen auf den Verbleib in der Bundesliga stehen auch dank der Ergebnisse der Konkurrenten gut, obgleich ein weiterer Störfaktor der Kwasniok-Monate auch an diesem Tag wirksam war.

Die mit viel Schwung gespielte erste Halbzeit endete mit einem Elfmeterpfiff für Bayer Leverkusen, über den der Schiedsrichter Robert Hartmann später sagte: „Ich würde mich besser fühlen, wenn ich hier auf Weiterspielen entschieden hätte.“ Martel hatte seinen Oberkörper im eigenen Strafraum in die Flugbahn des Balles gebeugt, wobei es zu einem Kontakt des angelegten Oberarmes mit dem Ball kam.

Vollkommen falsch war die Entscheidung nicht, weshalb der Videoassistent auf einen Eingriff verzichtete. Aber unzweifelhaft angemessen war sie eben auch nicht. Mit dem von Patrik Schick verwandelten Elfmeter begann das Spiel, zugunsten der Leverkusener zu kippen. Und als der Leverkusener Torjäger einen Konter im direkten Anschluss an eine große Chance von Jakub Kamiński auch noch zum 0:2 genutzt hatte (52.), konnten die Kölner die Partie trotz intensiver Versuche nicht mehr drehen.

Allerdings löste Waldschmidts Treffer zum 1:2 (77.) einen weiteren „Alles wie gehabt“-Moment aus. Der erfahrene Stürmer hat bereits im Spiel zuvor beim FC St. Pauli das wichtige 1:1 geschossen, nun wurde Wagner also gefragt, warum dieser Stürmer wie schon unter Kwasniok auch bei ihm meist nur eingewechselt wird, worauf der Trainer erwiderte: „Er kennt die Gründe, und dabei würde ich es auch gerne belassen.“ Das weckt mutmaßlich die Neugier der Zuhörer und öffnet Räume für Spekulationen; ob solche Aussagen im fiebernden Köln klug sind, lässt sich kontrovers diskutieren.

Thomas Kessler, der Geschäftsführer Sport, wird jedenfalls genau hinhören bei solchen Worten, denn noch ist offen, ob Wagner das Team auch in der kommenden Saison trainieren darf. Oder ob ein neuer Chefcoach eingestellt wird. Aber erst mal soll die Saison zu Ende gespielt werden, in der nun Partien bei Union Berlin und gegen den 1. FC Heidenheim anstehen, bevor die Saison mit einem Besuch beim FC Bayern endet.

Dort wird dann wohl Saïd El Mala sein letztes Spiel für die Kölner absolvieren. Das Großtalent hat angedeutet, den Klub wechseln zu wollen, und auch die Sportliche Leitung des FC ist nicht abgeneigt. Weil eine Einnahme im mittleren zweistelligen Millionenbereich möglich ist, mit der sich das Team grundlegend weiterentwickeln ließe. Offen ist, mit welchem Trainer.