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Der 1. FC Köln kann doch noch zuhause gewinnen. Zwei späte Tore von Simon Zoller und Anthony Modeste verwandeln das ausverkaufte RheinEnergieStadion beim verdienten 2:1-Sieg gegen Borussia Dortmund in ein Tollhaus.
Damit schließt der FC eine über weite Strecken starke Hinrunde mit 24 Punkten auf Platz 9 in der oberen Tabellenhälfte ab. Am Ende war es buchstäblich der nackte Wahnsinn. Nach 83 Minuten vergeblichen Anrennens knackte der 1. FC Köln den lange 1:0 führenden Tabellen-Zweiten aus Dortmund doch noch. Simon Zoller machte den Anfang, als er sieben Minuten vor dem Abpfiff einen ungenauen Abschlag von BVB-Keeper Roman Bürki erlief und dann sehenswert in den Winkel schlenzte. Der 24-Jährige riss sich danach das Trikot vom Leib, sprintete zur Eckfahne und ließ sich dort mit nacktem Oberkörper feiern.
Sieben Minuten später wiederholte sich das Bild. Der erst nach 70 Minuten eingewechselte Anthony Modeste hatte ein präzises Zuspiel von Frederik Sörensen vehement per Direktabnahme flach ins Dortmunder Tor geknallt und für den Kölner Siegtreffer gesorgt. Danach gingen auch ihm die Glücksgefühle durch. Weg mit dem Trikot und im Slalom zur anderen Eckfahne. Nach 682 Minuten hatte der Franzose seine persönliche Torflaute beendet und jubelnd seinen Astralkörper der Südkurve zur Schau gestellt.
Die "nackten Kanonen" (so der Express treffend) haben getroffen und dem insgesamt stark agierenden FC damit einen wunderschönen Hinrundenabschluss beschert. Ärger wegen der beiden gelben Karten fürs Trikotausziehen fürchtete Simon Zoller nach dem Abpfiff nicht. "Es ist doch klar, dass man sich freut und Emotionen zeigt. Das gehört dazu. Der Trainer kann das sicher weglächeln", lachte der Stürmer, der mit seinem immerhin schon vierten Saisontreffer auch ganz persönlich ein positives Fazit der Hinserie ziehen konnte.
"Ich durfte am 1. Spieltag treffen und auch heute am letzten Spieltag der Hinrunde", resümierte Simon Zoller. "Für mich war es ein schöner Ausklang dieses Jahres auch mit dem Bewusstsein, dass es im ersten Jahr in Köln nicht so gut für mich lief. Jetzt gehe ich mit einem guten Gefühl in die Winterpause." Zoller hat es im zweiten Anlauf in Köln gepackt und sich doch noch zu einem wichtigen Spieler entwickelt.
Noch mehr gilt das auch für Anthony Modeste, der in Köln mit sechs Toren an den ersten acht Spieltagen die Messlatte sehr hoch gelegt hatte. Nach weiteren acht Spielen jedoch ohne eigenen Treffer und der erstmaligen Verbannung auf die Ersatzbank, schoss sich der bullige Mittelstürmer erst einmal aus der Krise. "Für Tony war es das perfekte Weihnachtsgeschenk", freute sich Teamkollege Yannick Gerhardt. "Er wurde in der letzten Zeit vielleicht auch zu hart kritisiert. Einige haben wohl vergessen, wie wichtig er am Anfang der Saison für uns war. Jetzt hat er sich selber belohnt."
Aber nicht nur die beiden Torschützen, sondern die ganze Kölner Mannschaft legte zum Jahresabschluss ein mitreißendes Spiel hin. Nominell mit einer Dreier-Abwehrkette und zwei Außenverteidigern sehr defensiv eingestellt, hatte FC-Trainer Peter Stöger mit Simon Zoller und Marcel Risse nur zwei Offensivkräfte aufgeboten und dafür nicht nur Modeste sondern auch Yuya Osako, Leonardo Bittencourt und Philipp Hosiner zunächst draußen gelassen. Der Effzeh überließ Borussia Dortmund erst komplett die Initiative und agierte "vor der Pause zu ängstlich" wie Gerhardt befand. Folgerichtig gingen die Westfalen durch ein Kopfballtor von Sokratis nach einem Eckball schon nach 18 Minuten in Führung.
Danach ließen es die Gäste schleifen, der FC fand zurück ins Spiel und bestimmte nach der Pause das Geschehen. "Wir haben gemerkt, dass Dortmund nicht übermächtig ist", erkannte Dominic Maroh. "Wenn man sich mehr zutraut, ist auch mehr möglich. Dieses Gefühl hatten wir in der zweiten Halbzeit sofort. Dann bekommst du die breite Brust und belohnst dich auch. Der Gegner wackelte nach dem 1:1 ein bisschen, dann sind wir aufs zweite Tor gegangen, das wir durch unser Pressing erzwungen haben."
Nach fünf Heimspielen ohne Sieg platzte der Knoten ausgerechnet wieder gegen einen "Großen". Was u.a. gegen die Schlusslichter aus Hannover oder Hoffenheim daheim nicht klappte, gelang gegen den BVB. 13 seiner 24 Punkte holte der 1. FC Köln gegen die Top 7 der Bundesliga. Die Domstädter gewannen die beiden Derbys gegen Gladbach und Leverkusen und die Westschlager gegen Schalke und Dortmund. Als inoffizieller "Westmeister" gehen die Rheinländer nun in den verdienten Weihnachtsurlaub, der am 4. Januar enden wird. Danach gilt es, die tolle Hinrunde zu bestätigen. (Foto: imago/Thomas Bielefeld)