Die Kölner Spielverderber

10. September 2016

Beitrag auf faz.net von Christian Otto

Der 1. FC Köln hat dem VfL Wolfsburg das Debüt von Neuzugang Gomez verdorben. Wie soll das Zusammenspiel mit dem Nationalstürmer funktionieren? Beim 0:0 gegen Köln wird nicht deutlich, wie Wolfsburg zum Erfolg kommen will.

Das große Wiedersehen, mit erheblichem Tamtam angekündigt, endete mit einer kleinen Ernüchterung. Trotz des Debüts von Mario Gomez musste sich der VfL Wolfsburg im Heimspiel gegen den 1. FC Köln mit einem 0:0 begnügen. Die Hoffnung, dass mit Unterstützung des Nationalspielers alles ein wenig schöner und erfolgreicher wird, bleibt bei den Niedersachsen groß. Aber dem stark veränderten Team des VfL Wolfsburg fehlte es vor 29 067 Zuschauern an einer überzeugenden Spielidee. Eine solche wird wohl rund um Gomez, der das erste Spiel für seinen neuen Verein und seit seinem bei der Europameisterschaft erlittenen Muskelfaserriss bestritten hat, erst noch entwickelt werden müssen.

Es hatte nur wenige Minuten gedauert, bis diese so typische Szene zu bewundern war. Gomez stand an der Strafraumgrenze mit dem Rücken zum gegnerischen Tor. Ball angenommen, kurze Drehung, schneller Schuss: Mit diesem Bewegungsablauf sollte man besser von klein auf vertraut sein, um damit in der Fußball-Bundesliga gegen durchtrainierte Verteidiger zum Erfolg zu kommen.

Der Neuzugang nutzte seinen bulligen Körper, kam früh zu seiner ersten Torchance im Trikot des VfL Wolfsburg – und alle im Stadion hatten dabei natürlich ganz genau hingesehen. Über Gomez und seine Art, als klassischer Mittelstürmer in Erscheinung zu treten, wird in Deutschland wieder gestaunt. Auf Seiten des 1. FC Köln hielt sich die Ehrfurcht allerdings in Grenzen. Das Team um den starken Kapitän Matthias Lehmann ließ sich nicht davon beeindrucken, dass mit Gomez einer der derzeit populärsten deutschen Nationalspieler für den VfL auf Torejagd geht.
Das Duell zwischen Wolfsburg und Köln war eine dieser typischen Begegnungen, in denen sich der Favorit müht und der Außenseiter engagiert dagegenhält. Aus Sicht des VfL blieb zu beklagen: In der Offensive ließ die Abstimmung zwischen Mittelfeld und Sturm arg zu wünschen übrig. Auf Kölner Seite reichte die Kraft neben beherzten Zweikämpfen noch zu dem einen oder anderen Entlastungsangriff. Dass einer davon Sekunden vor der Halbzeit um ein Haar zur Führung durch Innenverteidiger Mergim Mavraj geführt hätte, war wie ein vergeblicher Weckruf für den VfL Wolfsburg dahergekommen. Denn die Niedersachsen spielten ganz nett, waren das dominierende Team, brachten auf dem Weg zum Kölner Tor aber zu wenig Kreatives zustande. Das galt auch für das eher müde Spiel in der Schlussphase.

Momente wie diese dürfte Gomez zur Genüge kennen. Er leistete ein überschaubares Laufpensum, hielt wacker seine Position im Sturmzentrum und leidete wohl darunter, dass ihn zu wenig Bälle erreichten. Im ersten Wolfsburger Heimspiel der Saison war lange Zeit nicht zu erkennen, wie das Zusammenspiel zwischen Vorbereiter wie Julian Draxler oder Daniel Didavi mit Gomez als Vollstrecker funktionieren soll. Draxler deutete seine Möglichkeiten an.
Er spielt seine Stärken immer dann aus, wenn er per Dribbling oder Übersteiger in den Strafraum eindringen kann. Eine Flanke, die Gomez als für ihn perfekte Vorlage bezeichnen würde, kann auf diesem Weg aber nur selten herauskommen. Entsprechend beschäftigungslos (zwei Torschüsse) wirkte der Mittelstürmer, während sich um ihn herum die Kollegen im grünen Dress bemühten, irgendwie und irgendwo doch noch eine Lücke im Kölner Abwehrverbund zu entdecken. Nach drei Jahren Abstinenz in der Bundesliga hat sich Gomez mit einem solide Spiel wieder vorgestellt und 90 Minuten lang mitgespielt. Bezeichnenderweise war Torhüter Koen Casteels der beste Profi im Team des VfL Wolfsburg.