Schmadtke zum Remis: Das fehlt dem 1. FC Köln für den nächsten Schritt

11. September 2016

Beitrag auf ksta.de von Christian Oyenhausen

Jörg Schmadtke hatte das 0:0 des 1. FC Köln beim VfL Wolfsburg soeben als „erstklassigen Auftritt“ eingeordnet, da schoss dem FC-Geschäftsführer doch noch ein „Aber“ durch den Kopf: „Es fehlt die Selbstverständlichkeit, dass es eben geht. Und man nicht denken muss: Das ist der große VfL Wolfsburg, da muss man Bedenken haben. Nein: Du kannst gegen die genauso ein Tor schießen wie gegen Preussen Berlin“, sagte Schmadtke. Und: „Wenn wir diese Selbstverständlichkeit reinkriegen, haben wir den nächsten Schritt gemacht.“

So betrachtet könnte das 15. torlose Remis im 70. Erstliga-Spiel unter Trainer Peter Stöger irgendwann als Startpunkt einer neuen Haltung in die Bewertung der FC-Auftritte eingehen. Das Umschalt-Spiel in den Köpfen: Überraschungs-Punkte, das war einmal. Der Klub mag nicht mehr darüber staunen, einem individuell stärker besetzten Konkurrenten auswärts ebenbürtig bis überlegen zu sein, um hinterher festzustellen: Heute war mehr möglich als ein Punkt.

FC musste vier Startelfkandidaten ersetzen

Die Erkenntnis ist umso erstaunlicher, weil der FC im Spiel bei den Niedersachsen sieben verletzte Spieler ersetzen musste, darunter mit Maroh, Rausch, Rudnevs und Horn vier Startelf-Kandidaten. Trotzdem zeigten die Kölner einen reifen Auftritt mit einer Menge eigener Initiative nach vorn, so dass Wolfsburg Coach Dieter Hecking hinterher sagte: „Unterm Strich ist das Unentschieden gerecht. Ich bin heute gar nicht so unzufrieden.“

Yannick Gerhardt, der Ex-Kölner auf VfL-Seite, hatte alte Bekannte und Altbekanntes wieder gesehen: „Der FC hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Das Spiel war nicht so spektakulär, weil die Kölner es gut machen.“

Gerhardts Auftritt war eine der drei Geschichten des Spiels, von denen man mehr erwartet hatte als dann passierte: Ein paar Pfiffe gegen den Ex-Kölner gingen beinahe unter. „Man muss es ja eh ausblenden. Aber ich finde es gut, dass viele die Pfiffe sein gelassen haben“, sagte Gerhardt, der nach 63 Minuten ausgewechselt wurde.

Gomez' unspektakuläre Liga-Rückkehr

Unspektakulär verlief auch die Liga-Rückkehr von Mario Gomez, der einen harmlosen Torschuss abgab und ein anderes Mal in aussichtsreicher Position über den Ball schlug. „Er hat gespielt“, lautete Heckings etwas giftige Bewertung. Mergim Mavraj, sein Kölner Bewacher, war schon mehr beeindruckt vom Nationalspieler: „Es ist ganz schwer, gegen solche Stürmer zu spielen. Sie haben nicht viele Ballkontakte, sind eigentlich unsichtbar und plötzlich hauen sie dir die Kirsche ins Tor.“

Aber Mavraj, der als Linksfuß anstelle von Maroh auf der rechten Innenverteidigungs-Seite spielte, hielt Gomez gemeinsam mit Dominique Heintz davon ab, sichtbar zu werden. So verbrachte Sven Müller im FC-Tor bei seinem Debüt einen entspannten Nachmittag und musste nur wenig halten. „Das erwarte ich von jemandem, der bei uns unter Vertrag steht, dass er die hält“, sagte Schmadtke. „Hat er brav gemacht“, sagte Peter Stöger.

"Ich war nicht nervös. Alle Mitspieler haben mir Mut zugesprochen, dass ich es machen soll wie immer. Es war Bundesliga-Atmosphäre, aber ich hatte die Coolness aus der Regionalliga“, sagte Müller der zur zweiten Halbzeit von den Kölner Fans mit Sven-Müller-Sprechchören empfangen wurde.

Der 20-Jährige wird bei normalem Heilungs-Verlauf der Verletzung von Timo Horn am Freitag gegen den SC Freiburg wieder auf der Bank sitzen. „Finde ich nicht schade“, sagte er, „Timo ist unser klare Nummer eins. Ich kann meine Rolle klar einschätzen.“