Die neue Gelassenheit des 1. FC Köln

02. November 2020

Beitrag in der FAZ

dat. Köln. Markus Gisdol hörte sich an wie ein Sieger, als er sein Resümee zum Gastspiel des FC Bayern beim 1. FC Köln zog. Sein Team habe „alles gut gemacht“, sagte der Trainer der seit nunmehr 16 Partien sieglosen Rheinländer, „wir waren in den entscheidenden Momenten wirklich gut heute“. Im Grunde sei „alles aufgegangen“, sein „Effzeh“ habe „sehr diszipliniert verteidigt“ und sei „aggressiv gewesen“, fuhr Gisdol fort. Selbst auf dem Boulevard wurde gejubelt: „Bockstark, FC!“, schrieb der „Express“. 

Mit 2:1 gewonnen hatten aber die Bayern, die auch ohne Robert Lewandowski (siehe Seite 23) und mit einer allenfalls durchschnittlichen Leistung die Tabellenspitze eroberten. Gut gespielt und doch verloren, das ist gerade für einen akut vom Abstieg bedrohten Verein wie die Kölner bitter. Zuletzt haben sie schon die 1:1-Unentschieden gegen Frankfurt und in Stuttgart zu Erfolgserlebnissen erklärt, nun feierten sie sich für eine Niederlage. Irgendwann fiel der Widerspruch zwischen gefühlter Wahrheit auf der einen und Ergebnis sowie Tabellensituation auf der anderen Seite auch dem Trainer auf: „Es fühlt sich eigenartig an“, sagte Gisdol. 

Dominick Drexlers Anschlusstreffer zum 1:2 war zu wenig gewesen. Offenbar ist in Köln Bemerkenswertes gelungen: Seit Wochen sind die Verantwortlichen dabei, um Verständnis für allerlei Probleme zu werben, nun sind sie so weit, dass sie zum Schwärmen neigen, wo auch mal jemand rufen könnte: „Verdammt! Da war mehr drin. Wir sind richtig sauer.“ Selbst den Elfmeterpfiff, in dessen Folge Thomas Müller das 0:1 erzielte, nahmen sie irgendwie schulterzuckend hin. Die Entscheidung des Schiedsrichters war nicht falsch, nach den aktuellen Regeln sind unabsichtliche Handspiele strafwürdig, wenn der Arm beim Ballkontakt irgendwie vom Körper absteht. Aber war dieser Pfiff zwingend nötig? Die Regel gefalle ihm zwar nicht, erklärte Gisdol, man müsse das jedoch akzeptieren. 

Sie bleiben gelassen in Köln, das ist eine Qualität, die in dieser Fußballstadt viel wert sein kann. Wobei ein bisschen mehr Energie, zum Beispiel beim Verteidigen des ersten Treffers, als Serge Gnabry ziemlich unbehelligt durchs Münchner Angriffsdrittel dribbeln und abschließen konnte, schon hilfreich gewesen wäre. Doch solche Themen mag derzeit niemand leiden beim 1. FC Köln, wo die Ruhe sehr dabei hilft, die schwierige sportliche Lage besser zu ertragen. In Bremen am Freitag haben sie nun die nächste Chance, ganz gelassen drei Punkte zu erspielen.Verloren und zufrieden