Beitrag in DIE WELT
Dank Luca Kilian marschiert das Team von Steffen Baumgart Richtung Europapokal. Der Trainer muss nun ein großes Essen ausgeben.

Das Stadion ein Tollhaus, der Matchwinner völlig aus dem Häuschen und der Trainer muss die Zeche zahlen: Mächtig viel Freude hat der 1. FC Köln sich und seinen enthusiastischen Fans im fast voll besetzten Stadion mit der erfolgreichen Aufholjagd im Spiel gegen den FSV Mainz 05 bereitet. Siegtorschütze Luca Kilian, ein Leihspieler des Gegners, war völlig überwältigt von der Kulisse und den Emotionen. „Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte. Ich habe mich so gefreut. Ich bin einfach irgendwo hingelaufen und habe alles raus gelassen, was in mir war“, sagte der 22-Jährige nach seinem 3:2-Treffer gegen seinen eigentlichen Arbeitgeber, der ihn bis zum Sommer an die Kölner verliehen hat.
Ausgerechnet Kilian, der mit seinem abgefälschten Ball zur Mainzer Führung auch noch den 0:2-Rückstand gegen die Rheinhessen eingeleitet hatte. „Das passte ja zum Spiel, aber so etwas macht auch den Fußball aus“, befand sogar der Mainzer Sportdirektor Martin Schmidt nach einer gebrauchten Woche mit nur einem Punkt aus drei Auswärtsspielen für sein Team. Kilian hingegen erhält mit seinem ersten Bundesliga-Treffer die Hoffnung auf einen internationalen Startplatz für den FC. Die Kölner müssen nächste Saison ihren Etat reduzieren, bei Europapokal-Teilnahme hätten sie aber vielleicht die Mittel, den Mainzer Abwehrspieler fest zu verpflichten.
Bezahlen muss aber zunächst Steffen Baumgart. Der Kölner Chefcoach will sein Versprechen einlösen und die Mannschaft zum Essen einladen. Dies hatte der Trainer in Aussicht gestellt, falls der robuste und technisch nicht so beschlagene Kilian irgendwann einmal ein Tor schießen sollte. „Man kann sich vorstellen, dass er sich heute darüber freut, der Trainer schuldet ihm damit und der ganzen Mannschaft ein Essen. Aber wie gesagt Holzfuß bleibt Holzfuß“, sagte Baumgart schmunzelnd. Dabei hatte der Trainer selbst großen Anteil an der spektakulären und vom Publikum angestachelten Aufholjagd, als er in der 58. Minute in Louis Schaub, Dejan Ljubicic und Salih Özcan ein Trio einwechselte, das für viel Betrieb und Torgefahr sorgte. „Wir haben schon mehr als einmal betont, dass wir Spiele über Wechsel gewinnen werden. Die Truppe besteht nicht nur aus elf Spielern, da gehören alle zu“, erklärte der Coach.
Ellyes Skhiri, Ljubicic und eben Kilian drehten in knapp 20 Minuten die Partie und sorgten für Ekstase auf den Rängen. Die zurückgekehrten Ultras veranstalteten schon vor der Partie mit einer großen Choreographie und viel Pyrotechnik ein großes Spektakel. „Bei der Choreo hatte ich Gänsehaut, da hat sich alles zu Berge gestellt. Das war einfach megageil“, sagte Kilian. „Wir haben die aktive Fanszene sehr vermisst, wir sind froh, dass sie wieder da ist. Schön, dass wir ihnen den Sieg schenken konnten“, sagte Torschütze Ljubicic.
Sogar der Trainer war extra früher aufs Feld gekommen, um sich das Geschehen in der Südkurve anzuschauen. „Ich kann sagen, es hat sich sehr gelohnt“, sagte Baumgart. Das werden sich die Fans nach dem Spiel auch gesagt haben und sich auf das am nächsten Samstag bevorstehende rheinische Derby in Mönchengladbach freuen. „Das kommt gerade richtig – das kommt aber eigentlich immer richtig“, befand Kilian.
In Mainz herrschte nach drei sieglosen Spielen Serie hingegen Frust. „Ein Punkt aus den drei Spielen ist einfach zu wenig“, kritisierte Sportdirektor Schmidt. „Das tut sehr weh. Wir waren heute dem Auswärtssieg in den drei Spielen am nächsten. Das ist natürlich umso bitterer“, sagte Jonathan Burkardt. Der Stürmer hatte unter Mithilfe von Luca Kilian, dem Kölner Leihspieler aus Mainz, das 1:0 erzielt. Karim Onisiwo erhöhte sogar noch zum 2:0, ehe die Gastgeber ihre spektakuläre Aufholjagd starteten.
Anders als bei den Spielen in Mönchengladbach (1:1) und beim FC Augsburg (1:2) liefen die Mainzer diesmal nicht einem Rückstand hinterher. „Bis zur 60. Minute war es ein sehr gutes Auswärtsspiel. Wir haben klar und verdient geführt“, befand Schmidt. Torjäger Burkardt zeigte sich selbstkritisch. „Kämpferisch und spielerisch waren wir auf Augenhöhe und eine 2:0-Führung musst du einfach über die Zeit bringen“, sagte der U21-Europameister.
Trainer Bo Svensson erkannte natürlich den Schwachpunkt in der Verteidigung von Standards bei zwei Gegentreffern. „In allen drei Spielen in dieser Woche war viel mehr drin. Aber auch gegen Dortmund und Freiburg hat es wegen schlechten Verhaltens bei Standardsituationen nicht zum Sieg oder einem Unentschieden gereicht“, erklärte der Mainzer Coach. „Mit Müdigkeit oder fehlender Kraft hatte das nichts zu tun, wir verlieren einfach die Duelle und sind nicht körperlich genug.“