In der Bundesliga geht das Kölner Leiden weiter

05. November 2017

Beitrag auf faz.net von Roland Zorn

Jetzt kann nur noch die anstehende Karnevalszeit Trost spenden: Der 1. FC Köln wartet auch nach dem elften Spieltag auf einen Sieg. Gegen Hoffenheim geht das im Europapokal unter der Woche siegreiche Team ein weiteres Mal unter. Nur zwei Teams waren jemals schlechter.

5:2 - ein Sieg mit Signalwirkung? Darauf hatten sie in Köln gehofft  nach dem deutlichen Erfolg vom Donnerstag in der Europa League gegen Bate Baryssau. Ob sich die wiederbelebte kölsche Zuversicht auch endlich auf die Bundesliga übertragen  würde, war am Sonntag die große Frage. Die Antwort enttäuschte alle FC-Anhänger, denn es setzte aufs Neue eine Niederlage - diesmal gegen die  Europa-League-Kollegen der TSG Hoffenheim, die am Donnerstag eine leise Enttäuschung verarbeiten mussten beim späten 1:1-Ausgleich für Basaksehir Istanbul.

Drei Tage später aber waren die Kraichgauer frisch und munter genug, das Spiel beim Tabellenletzten 3:0 durch die Tore von Dennis Geiger  (10. Minute) und Sandro Wagner (56. Foulelfmeter/80.) zu gewinnen und damit in der Tabelle auf Platz fünf voranzukommen. Köln blieb nach elf unter dem Strich  desaströsen Spieltagen Letzter mit gerade mal zwei Pünktchen - eine niederschmetternde Zwischenbilanz , die zu diesem Zeitpunkt in der Bundesliga nur vom 1. FC Saarbrücken in der Saison 1963/64 und vom MSV Duisburg (1994/95) unterboten wurde - nicht nach Punkten, sondern in der Tordifferenz. Diese beiden  Klubs stiegen danach fast folgerichtig ab.

Und der FC? Der hofft weiter darauf, diese Regelvermutung zu widerlegen. „Es ist fünf vor zwölf“, hatte Innenverteidiger Maroh die alarmierende  Kölner Lage vorher beschrieben, „wir müssen jetzt Gas geben.“ Das taten sie zwar nach Kräften, doch der FC verpulverte seine Energien zu oft in einen Aktionismus, der nicht zielführend war. Anders die Hoffenheimer, die aus den  vorangegangenen acht Pflichtspielen nur einen Sieg geholt hatten und dabei in  der Liga ins vordere Mittelfeld zurückfielen. „Durch diese Phase müssen wir  jetzt durch“, appellierte Trainer Julian Nagelsmann vor der Reise ins Rheinland  an seine zuletzt zu nachgiebigen Spieler, die zuletzt allzu häufig eine 1: 0-Führung verspielt hatten.

Furiose Hoffenheimer

Am Sonntag aber war von den zuletzt spürbaren Müdigkeitssymptomen nichts zu sehen. Als ginge es um einen Neustart in die Saison, legten die Hoffenheimer sogleich furios los, in Schwung gehalten von  ihrem kongenialen Kreativduo Demirbay und Amiri. Die beiden Mittelfeldspieler bereiteten auch das 1:0 vor, das der 19 Jahre alte Dennis Geiger, auch er eine  treibende Kraft im nordbadischen Spielzentrum, aus kurzer Distanz erzielte. Schon davor hatte es erste Torgelegenheiten hüben wie drüben in dieser ansehnlichen Begegnung gegeben. Die Kölner ließen sich von der kollektiven Klasse ihres Gegners zumindest nicht einschüchtern und hielten, wo möglich, gefährlich dagegen Osakos Pfostenschuss (41.) war die beste von vier  FC-Gelegenheiten, denen bis zur Pause sieben Chancen der insgesamt besseren Hoffenheimer entgegenstanden.

An den Kräfteverhältnissen danach änderte sich nichts. Im Gegenteil: Die Hoffenheimer Dominanz schüchterte die Kölner noch mehr ein. Die Mannschaft von Trainer Peter Stöger, die es in dieser Spielzeit auf bisher erst vier  Ligatreffer gebracht hat, konnte sogar von Glück reden, dass sie nach 56  Minuten nicht nur im Ergebnis 0:2 zurücklag. Nach Olkowskis Notbremse im Strafraum gegen den davonstürmenden Uth hätte sich der Kölner auch über die Rote Karte nicht beschweren können. Schiedsrichter Aytekin aber blieb nach Rücksprache mit dem Videoassistenten und eigener Ansicht der Fernsehbilder gnädig und ließ den Polen nach dessen leichtem Schubser mit einer Verwarnung davonkommen.

An Wagners Entschlossenheit, seine Elfmeterchance zum 2:0 zu nutzen, änderte das nichts. Nach dem zweiten Hoffenheimer Tor an diesem Sonntagabend waren die Verhältnisse zugunsten der besseren Mannschaft geklärt, auch weil die Kölner in ihrem verzweifelten Schlussspurt zwei große Gelegenheit zum Anschlusstreffer nicht nutzen konnten, als Baumann zuerst den Schuss von Olkowski (72.), danach den von Jojic parierte (75.).

Wagner macht es vor

Wie man Tore schießt, machte Wagner (80.) den  Kölnern bei einem Hoffenheimer Konter vor. Mit dem 3:0 war das Spiel entschieden. Die TSG hatte sich im Kampf um die besten Tabellenplätze  eindrucksvoll zurückgemeldet, der FC dagegen droht in seiner Tristesse zu versinken. Ob es unter den zunehmend dramatischen Umständen ein Weiter so mit dem verdienstvollen Trainer Stöger an der sportlichen Spitze gibt, werden die kommenden Wochen zeigen.  Am Sonntag jedenfalls waren von den Fans keinerlei  „Stöger raus“-Rufe zu hören.

„Das war heute einfach zu wenig. Hoffenheim war zudem ein richtig guter Gegner. Das 3:0 geht deshalb in Ordnung“, sagte Stöger nach dem Spiel. „Die Länderspielpause müssen wir jetzt nutzen, alles aufzuarbeiten.“