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Er wollte 105 werden und mit einem „Kölsch in der Hand“ sterben. Es blieb ihm nicht vergönnt. Kurz nach seinem 90. Geburtstag ist Weltmeister Hans Schäfer gestorben. Ganz Köln und Fußball-Deutschland trauert.
ußball-Deutschland und der 1. FC Köln trauern um einen der „Helden von Bern“: Hans Schäfer ist am Dienstag nur knapp drei Wochen nach seinem 90. Geburtstag gestorben. Dies bestätigte sein langjähriger Club. „Die gesamte FC-Familie ist in tiefer Trauer und wir sind in Gedanken bei Hans Schäfers Angehörigen. Wir verlieren eine der größten Persönlichkeiten, die der 1. FC Köln je hervorgebracht hat. Als Weltmeister und größte Ikone dieses Clubs ist Hans Schäfer unsterblich“, sagte FC-Präsident Werner Spinner. Sein Tod sei ein unbeschreiblicher Verlust, teilte der Club weiter mit. Die Fahnen am Geißbockheim wurden nach Bekanntwerden des Todes auf halbmast gesetzt.
Zuerst hatte die „Bild-Zeitung“ berichtet. Nach Informationen des Blattes sei Schäfer im Beisein seiner Ehefrau Isis und der Töchter Stefanie und Regine gestorben. Viele Kölner reagierten betroffen auf die Mitteilung. „Ich bin sehr traurig und werde Hans Schäfer für immer als größten Kölner Spieler und tollen Menschen in Erinnerung behalten“, teilte der frühere FC-Profi Lukas Podolski via Twitter mit uns postete ein Bild von sich, Schäfer und dem Geißbock. Kölns Vizepräsident Toni Schumacher sagte: „Die FC-Familie verliert mit ihm einen Giganten, der Vorbild für unzählige Fußballer war. Stolz war ich stets darauf, wenn er sagte: Toni, wir beide hätten gut zusammen in eine Mannschaft gepasst.“
Hans Schäfers langjähriger Mannschaftskamerad Horst Eckel ist nun der einzige noch Lebende aus der Weltmeistermannschaft von 1954. „Das ist ein sehr trauriger Tag. Hans war ein sehr guter Kamerad von mir. Zum letzten Mal Kontakt hatte ich, als ich vor ein paar Wochen mit ihm zu seinem 90. Geburtstag telefoniert habe. Da hatte ich das Gefühl, dass es ihm gut geht“, sagte der 85-Jährige der „Bild“-Zeitung. „Jetzt bin ich der letzte der Mannschaft von 1954, ich fühle mich jetzt auch alleine“.
Auch Fußball-Legende Uwe Seeler war lange Zeit Mannschaftskamerad von Schäfer. „Er war ein toller Junge, ein doller Kamerad. Als Älterer hat er uns immer aufgebaut und Mut zugesprochen. Er war ein äußerst lustiger Typ. Mit ihm hatten wir immer viel Spaß.“
Der Ur-Kölner wurde am 19. Oktober 1927 im Stadtteil Sülz geboren und wuchs in Köln-Zollstock auf. Dort, beim Verein DJK Rheinland Zollstock, begann seine großartige Fußballer-Karriere mit dem Höhepunkt des Weltmeistertitels am 4. Juli 1954 beim 3:2-Finalerfolg gegen Ungarn im Berner Wankdorf-Stadion. Schäfer, der wegen seiner großen Nase von Freunden und guten Bekannten „de Knoll“ genannt wurde, hatte ein spezielles Markenzeichen: seine Torschüsse. An den seiner Meinung nach schönsten Treffer, erzielt am 14. Juni 1953, erinnerte sich der 39-malige Nationalspieler stets besonders gern zurück. „Das war bei einem B-Länderspiel gegen Spanien in Düsseldorf. Ich habe eine Flanke aus der Luft genommen und in den Winkel gedroschen - der hat das Tornetz zerfetzt und ist hinten wieder rausgekommen.“
Für Schäfer war das „Wunder von Bern“ keins: „Es war einfach eine großartige Leistung einer großartigen Mannschaft.“ Auch von dem Begriff „Held“ nahm er immer Abstand. Es sei doch kein Heldentum, wenn man ein Spiel gewinne, und sei es auch ein WM-Finale.
Bis zuletzt, solange es ihm gesundheitlich möglich war, nahm Schäfer regen Anteil, war oft Gast bei den Heimpartien seines 1. FC, für den er in 507 Pflichtspielen 304 Tore erzielte. Am 19. Oktober feierte er seinen runden Geburtstag und sagte, nun wolle er auch 105 werden. „Und dann in meiner Stammkneipe mit einem Glas Kölsch in der Hand an der Theke sterben.“
Schäfer war ein echter „Kölscher Jung'“, dessen Beliebtheitsgrad sehr hoch war. Mit dem FC wurde er 1962 und 1964 an der Seite des jungen Wolfgang Overath deutscher Meister. Schäfer war der erste deutsche Nationalspieler, der an drei WM-Endrunden hintereinander teilnahm (1954, 1958, 1962). In 39 Länderspielen erzielte er 15 Tore. Und er war nie ein Mann des großen Trubels. Viel lieber waren ihm Besuche am Geißbockheim im Kölner Grüngürtel, wenn er dort die Geschäftsstellen-Mitarbeiter begrüßte und immer ansprechbar war, Anekdoten aus seinem an Erfolgen und Ehrungen reichen Fußballer-Leben berichten sollte.
Mit dem FC und dem damaligen Trainer Hennes Weisweiler stieg er 1949 in die Oberliga West auf. Im Notizblock des damaligen Bundestrainers Sepp Herberger stand Schäfer schon lange vor seinem Debüt im Trikot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bei dem er am 9. November 1952 in Augsburg gegen die Schweiz zweimal traf. Herberger schätzte den „Mitreißer“ Schäfer als einen, der nie aufgab, nie resignierte und seine Mitstreiter immer wieder animierte.
*19. Oktober 1927 – 7. November 2017
Geburtsort: Köln-Zollstock
Vereine: 1. FC Köln (1948-1965), 394 Spiele (254 Tore)
Länderspiele: 39 (15 Tore)
Erfolge als Spieler: Weltmeister (1954),
Deutscher Meister mit dem 1. FC Köln (1962, 1964)
Westdeutscher Meister (1954, 1960, 1961, 1962, 1963)
Westdeutscher Pokalsieger (1953, 1964)
Auszeichnungen: Fußballer des Jahres (1963)