Kohlfeldts Frust – und Modestes Abrechung

16. Dezember 2021

Beitrag in DIE WELT

Kölner Stürmer stichelt nach dem Sieg in Wolfsburg

Sie gingen aneinander vorbei. Unter anderen Umständen wären sie vielleicht kurz stehengeblieben und hätten ein wenig geplaudert. Denn seit sie 2015 gemeinsam den Trainerlehrgang absolviert haben, pflegen sie ein freundschaftliches Verhältnis. Doch am Dienstagabend war zumindest dem einen der zwei Fußballlehrer – Florian Kohfeldt – nicht danach zumute. Der Trainer des VfL Wolfsburg lief nach dem Spiel gegen den 1. FC Köln, der von Steffen Baumgart trainiert wird, raschen Schrittes vom Rasen. Er war sichtlich bedient und verzichtete auf eine Unterhaltung mit dem Freund.

Nach zweimaliger Führung hatte der VfL gegen den FC mit dem 2:3 dennoch eine Niederlage einstecken müssen. Es war die sechste Pleite unter Kohfeldt in Serie. „Am Ende darfst du solche Tore nicht kassieren“, sagte der Coach, der Ende Oktober auf den zuvor entlassenen Mark van Bommel gefolgt war.

Wie schon unter seinem Vorgänger, der zum Saisonstart vier Siege erreicht hatte, ehe eine Niederlagen-Serie zu seiner Demission führte, war auch Kohfeldt ein guter Einstand gelungen. Doch auch bei ihm folgte auf Siege in Serie – drei an der Zahl – ein Einbruch. Gegen Köln offenbarte sein Team erneut Probleme in der Defensive. Das Spiel kippte vor allem deshalb, weil der VfL sich Aussetzer leistete und Steffen Baumgart die richtigen Impulse gab. Der eingewechselte Kingsley Schindler bereitete erst den Ausgleich von Mark Uth in der 73. Minute vor, dann auch noch den Siegtreffer von Anthony Modeste (89).

Modeste übrigens stichelte im Moment des Glücks gegen Jörg Schmadtke, den Geschäftsführer Sport des VfL. Als er von ARD-Reporterin Inka Blumensaat auf den Erfolg angesprochen wurde, sagte Modeste, dass es ein gutes, gar „geiles Gefühl“ sei. Wolfsburg hätte immerhin Champions League gespielt. Aus der Partie, die man ob guter und tiefer Laufwege gewonnen habe, könne man viel herausholen.

Auf die Frage, was denn der Sieg für ihn persönlich bedeuten würde, nachdem er in einigen Spielen zuvor auch nicht getroffen habe, entgegnete Modeste, dass man manchmal eben nicht treffe, das gehöre für einen Stürmer dazu. Dann aber sagte er auch noch das: „Ich bin heute glücklich. Wir haben in Wolfsburg gespielt und gewonnen, der Mannschaft von Schmadtke. Und man trifft sich ja immer zweimal im Leben.“ Als die ARD-Reporterin daraufhin zu ihm meinte, dass er Jörg Schmadtke damit etwas sagen wolle, antwortete Modeste: „Jo, es ist schön hier zu gewinnen.“ Noch einmal nachgehakt, ob er keine schönen Erinnerungen an Schmadtke habe, konterte Modeste: „Es ist schön, hier zu gewinnen und Wolfsburg in die Krise zu schicken.“

Schmadtke und der Franzose waren von 2015 bis 2017 gleichzeitig – und zunächst erfolgreich – in Köln angestellt. Zum Bruch kam es offenbar im Sommer 2017 rund um Modestes Transfer zum chinesischen Klub Tianjin Quanjian. Der Stürmer behauptete damals, lieber in Köln geblieben zu sein. Der damalige FC-Manager warf ihm mehrfach vor, die Unwahrheit gesagt zu haben.

Seit Juni 2018 leitet Schmadtke nun die Geschicke in Wolfsburg. Als Champions- League-Teilnehmer in die Saison gestartet, droht dem Klub, nur noch mit einem knappen Vorsprung auf den Relegationsplatz in die Winterpause zu gehen. Denn im letzten Hinrunden-Spiel geht es am Freitagabend ausgerechnet zum FC Bayern. Trainer Kohfeldt will, sagte er, „alles tun, dass wir probieren werden, einen Punkt oder einen Sieg mitzunehmen. Nicht auf Punkt spielen, sondern Punkte mitzunehmen“.