Persönliche Abrechnung von Anthony Modeste

15. Dezember 2021

Beitrag auf faz.net

Anthony Modeste spielt stark beim 1. FC Köln. Beim Sieg in Wolfsburg erzielt er gleich zwei Tore. Das freut ihn besonders – denn beim Gegner gibt es jemanden, mit dem er sich gar nicht gut versteht.

Stürmer Anthony Modeste vom 1. FC Köln hat den 3:2-Sieg beim VfL Wolfsburg hinterher auch zu einer persönlichen Abrechnung mit dem VfL-Sportchef Jörg Schmadtke erklärt. „Ich bin heute glücklich, weil wir gegen Wolfsburg gespielt und gewonnen haben. Das ist die Mannschaft von Schmadtke“, sagte der zweifache Torschütze der ARD-Sportschau. Später äußerte er sich auch ähnlich in einem Sky-Interview. „Man trifft sich immer zweimal im Leben. Es ist schön, hier zu gewinnen und Wolfsburg in die Krise zu schicken.“

Schmadtke und der 33 Jahre alte Franzose waren von 2015 bis 2017 gleichzeitig – und zunächst erfolgreich – in Köln angestellt. Zum Bruch kam es offenbar im Sommer 2017 rund um Modestes Transfer zum chinesischen Klub Tianjin Quanjian. Der Stürmer behauptete damals, lieber in Köln geblieben zu sein. Der damalige FC-Manager warf ihm mehrfach vor, die Unwahrheit gesagt zu haben.

Schmadtke verließ die Kölner zwei Monate später, Modeste kehrte im November 2018 zum FC zurück. Am Mittwochabend erzielte er beim Kölner Sieg in Wolfsburg zunächst das Tor zum 1:1-Ausgleich in der 34. Minute und am Ende auch noch den späten Siegtreffer (89.). Florian Kohfeldt war dagegen völlig bedient. „Am Ende darfst du solche Tore nicht kassieren“, sagte der Trainer des VfL Wolfsburg. Trotz einer Leistungssteigerung und einer zweimaligen Führung kassierte seine Mannschaft am Mittwochabend bereits die sechste Niederlage in Serie.

Dieses wichtige Heimspiel kippte aus Wolfsburger Sicht noch einmal, weil sich der VfL in der Abwehr schwere Aussetzer leistete und weil der FC-Trainer Steffen Baumgart von draußen die richtigen Impulse gab. Der gerade eingewechselte Kingsley Schindler bereitete dem gerade eingewechselten Mark Uth das 2:2 vor (73.). Und er legte dem zweifachen Torschützen Modeste auch noch den späten Siegtreffer auf.

„Einwechslungen haben funktioniert“

„Es liegt auf der Hand, dass wir im Moment einfach nicht gut genug verteidigen“, sagte VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer bei Sky. „Die Mannschaft war bemüht, eine Reaktion zu zeigen.“ Mit Rückschlägen könne sie aber momentan nicht gut umgehen. „Das ist bitter. Das ist eine sehr große Enttäuschung, ein weiterer Rückschlag.“

Dabei traf Lukas Nmecha vor 5000 Zuschauern bereits in der achten Minute für den VfL. Ein Fehler von Nationalspieler Ridle Baku ermöglichte den Kölnern aber noch in der ersten Halbzeit den Ausgleich durch Modeste (34.). Auf das 2:1 von Wout Weghorst nach herausragender Vorarbeit von Dodi Lukebakio (51.) hatte der FC durch Uth und Modeste sogar noch zwei Antworten. „Die Einwechselungen haben gut funktioniert“, sagte Baumgart lapidar.

Als Champions-League-Teilnehmer in die Saison gestartet, droht die Wolfsburger jetzt nur noch mit einem geringen Vorsprung auf den Relegationsplatz in die Winterpause zu gehen. Denn in ihrem letzten Hinrunden-Spiel geht es am Freitagabend zum FC Bayern München.

Gegen Köln standen die beiden Nmecha-Brüder Lukas und Felix beim VfL erstmals gemeinsam in der Startelf. Und das zahlte sich sofort aus. Felix Nmecha prüfte zunächst den Kölner Torwart Marvin Schwäbe mit einem gefährlichen Abschluss (2.), dann war sein schon in die A-Nationalmannschaft berufener Bruder nach einem Konter erfolgreich. Der 23-Jährige erzielte an seinem Geburtstag nach Vorlage von Baku sein sechstes Saisontor, den die Nmechas gemeinsam bejubelten.

Kohfeldt schrie an der Seitenlinie seine Freude heraus – zu Beginn lief die Partie noch nach seiner Vorstellung. „Das muss jetzt der Moment sein, wo man das Messer zwischen die Zähne nimmt und sagt: Dagegen wehren wir uns jetzt“, hatte der Trainer vor dem Spiel gesagt. Und zunächst spielten die Wolfsburger wieder mit Tempo und Mut, also ganz anders als in den vergangenen Wochen.

Von heute auf morgen lassen sich die Unsicherheiten aber nicht beseitigen. Auch durch einen Fehler von Baku kam der Ball im VfL-Strafraum zu Florian Kainz, der zwar nur die Latte traf – im Nachsetzen war aber Modeste zur Stelle. Solche Aussetzer wogen beim VfL am Ende schwerer als alle guten Ansätze im Spiel nach vorn.

Nach der abermaligen Führung musste der VfL auf Lukas Nmecha verzichten, der angeschlagen behandelt wurde und nicht mehr weiterspielen konnte. Auch Baumgart wechselte – und wie! Köln verdiente sich diesen Sieg am Ende, weil die Mannschaft im Gegensatz zu den angeschlagenen Wolfsburgern nie nachließ. „Man hat gut gesehen, was wir wollten. Aber wir haben daraus zu wenig gemacht. Am Ende darfst du solche Tore nicht kassieren. Deshalb dürfen wir heute auch nicht von einem guten Spiel reden“, sagte Kohfeldt.