Mainz ist torlos zufrieden

22. Januar 2017

Beitrag auf faz.net von Daniel Meuren

Mainz kann den Kölner Code nicht knacken. Trotzdem zeigen sich die Verantwortlichen der Nullfünfer nach dem 0:0 gegen Köln zufrieden. Was noch fehlt, sind Wucht und Leichtfüßigkeit.

den ersten acht Saisonheimspielen von Mainz 05 war beste Unterhaltung garantiert. Es waren bei 18:14 Treffern aus Mainzer Sicht 32 Tore gefallen, was einem Schnitt von vier Treffern pro Partie entspricht. Im neunten Heimspiel gegen den 1. FC Köln ist der Schnitt zum Auftakt des Jahres 2017 vor 29.000 Zuschauern nun stark gesunken: Erstmals endete eine Partie torlos. „Mein erstes Gefühl nach dem Abpfiff war deshalb, dass ich zufrieden bin, gerade als Abwehrspieler kann man mit einem 0:0 gut leben“, sagte Kapitän Niko Bungert. „Die gesamte Mannschaft von den beiden Stürmern bis zum Torwart hat sehr gut verteidigt.“

Durch das Unentschieden haben die Mainzer ihr Konto zum Hinrundenabschluss zwar auf 21 Punkte erhöht, was Trainer Schmidt als „gute Zwischenbilanz“ bezeichnete. Es bleibt aber der Makel, dass dem Tabellenelften in der gesamten Saison noch kein einziger Sieg gegen ein Team aus der erweiterten Spitzengruppe gelang.

Gegen Köln hätten Muto und de Blasis bei den besten Einschussmöglichkeiten für ein besseres Ende sorgen können. De Blasis scheiterte in der 50. Minute per Kopfball und bei einem neben das Tor gesetzten Nachschuss (52.), Muto zögerte bei seiner besten Chance zu lange, sodass der vertretungsweise für den verletzten Timo Horn im Kölner Tor stehende Thomas Kessler den Weg zum Ziel versperren konnte (52.). „Köln ist eine der bestorganisierten Mannschaften der Bundesliga. Wir haben versucht, den Code zu knacken. Ein paar Mal ist das gelungen, Köln hatte aber auch Chancen, sodass die Punkteteilung in Ordnung geht“, sagte Schmidt.

Sein Team hatte offenkundig sehr viel Respekt vor dem Gegner, womöglich auch aufgrund der Erfahrungen aus der Sommervorbereitung. Damals konterte Köln die Mainzer auf deren Trainingsgelände am Bruchweg bei einem 3:0-Sieg ach Belieben aus. Ähnlich anfällig waren die Mainzer anschließend auch im Saisonverlauf, wo sie in den ersten 16 Spielen 31 Gegentore hinnehmen mussten. „Es war uns in der Winterpause wichtig, nicht mehr so offen zu stehen wie in der bisherigen Saison“, sagte Schmidt. „Wenn man viel an der Defensive arbeitet, geht vielleicht die offensive Griffigkeit etwas verloren.“

Die Offensive leidet freilich auch sehr stark unter dem Verlust des nach Wolfsburg gewechselten Yunus Malli und dem Fehlen des Kolumbianers Jhon Cordoba, der nach einer Tätlichkeit bei der 0:3-Niederlage in Frankfurt für die ersten beiden Spiele des neuen Jahres gesperrt wurde.

Aufgrund der Personalnot im offensiven Zentrum, aber auch mit Blick auf die Kölner Stärke bei Kontern entschied sich Trainer Schmidt für ein 4-4-2-System mit einem eher auf Absicherung eingestellten Mittelfeldzentrum mit Danny Latza und Fabian Frei sowie den zwei zentralen Stürmern Yoshinori Muto und Pablo de Blasis. Die Rolle des üblicherweise hinter dem Mittelstürmer Cordoba agierenden Spielmachers Malli blieb vakant. So fehlten Cordobas Wucht und Mallis Leichtfüßigkeit, für die Sportdirektor Rouven Schröder womöglich noch bis zum Ende der Transferfrist Ersatz schaffen will.

Gegen Köln versuchten die Mainzer den Mangel meist mit langen Bällen auf die Außenspieler aufzuwiegen – was allerdings selten gelang. Bei gegnerischem Ballbesitz erfüllte die neue Formation ihre Pflicht. Trainer Schmidt hob dabei vor allem die Einsatzfreude hervor, mit der die beiden kleinen Stürmer de Blasis und Muto den Kölner Spielaufbau störten. „Was sie beim Anlaufen der gegnerischen Innenverteidiger geleistet haben, war herausragend. Sie waren schon zur Pause sechseinhalb Kilometer gerannt“, sagte Schmidt.

Muto nahm das Lob für seine verteidigenden Pflichten zur Kenntnis, zeigte sich aber bei seinem ersten Neunzig-Minuten-Einsatz nach fast einem ganzen, von Verletzungen geprägten vergangenen Jahr selbstkritisch bezüglich seiner Kernkompetenz als Torjäger. „Ich muss ein Tor machen“, sagte der 24 Jahre alte Japaner. Dann überlegte er einen Moment und schob Erbauliches für die Mainzer Fanseele hinterher. „Dann mache ich eben eins gegen Dortmund.“ Der BVB ist am kommenden Sonntag der nächste Gegner im nächsten Heimspiel.