Wolfsburger Mittelmaß

22. August 2015

Beitrag von Roland Zorn auf faz.de

Große Zahlen, kleiner Ertrag. Die Wolfsburger um Millionen-Mann Kevin de Bruyne kommen mit Glück zu einem 1:1 beim 1. FC Köln.

60 Millionen, 70 Millionen, 80 Millionen Euro? Das Gesetz der großen Zahl bestimmte die Woche beim VfL Wolfsburg, ehe das Objekt der Kaufbegierde von Manchester City am Samstag vielleicht letztmals für den niedersächsischen Spitzenklub der Bundesliga auflaufen durfte. Neunzig Minuten, in denen sich Kevin de Bruyne, der derzeit meistumworbene Profi Europas auf das konzentrieren konnte, was er besonders gut kann: Fußball spielen mit allem, was dazugehört.

In Köln aber spielte der 24 Jahre alte Belgier die breite Palette seiner Möglichkeiten nicht aus. Er verharrte, ehe zwischen den beteiligten Klubs entschieden wird, ob er für einen beiderseits akzeptierten Höchstpreis in die Premier League wechseln darf, im Mittelmaß. Sollte er denn die Bundesliga verlassen, dann nicht mit einer Niederlage zum weniger guten Schluss. Mit reichlich Glück holte der VfL den 0:1-Rückstand zur Pause durch Zollers Tor (30. Minute) noch auf und glich durch Bendtner (83.) aus.

Ein paar gute Pässe, ein paar Beschleunigungsmomente, aber auch ein paar Flanken, die ihr Ziel verfehlten und keine zwingende Aktion vor dem Tor: In der ersten Hälfte seines vermeintlichen Abschiedsspiels blieb De Bruyne auf dem durchschnittlichen Niveau seiner Wolfsburger Kollegen und bot dabei eine befriedigende, aber keineswegs glänzende Leistung.

Die Niedersachsen versäumten es in ihrem Drang, den Ball möglichst oft zu besitzen, daraus zwingende Schlüsse abzuleiten. Was gefällig ausschaute, entbehrte jeglicher Torgefahr.

Die Kölner dagegen, von Kopf bis Fuß auf Konter eingestellt, begeisterten ihre Fans in der mit 46.000 Zuschauern nicht ganz ausverkauften Arena bei ihrem Führungstreffer, einem Fußballkunststück, das dem vom 1. FC Kaiserslautern zurückgekehrten Simon Zoller gelang. Der zentrale Mittelfeldspieler des FC lupfte eine Kopfballvorlage von Modeste an Naldo und Torhüter Casteels vorbei, verschaffte sich so freie Bahn und vollendete sein Solo mit einem Kopfball ins  leere Tor (30.).

Es war die nicht unverdiente Führung für die zielstrebigere  Mannschaft, für die Modeste und Zoller nach dem Wechsel leicht hätten erhöhen können. Ihnen aber stand der beste Wolfsburger an diesem Samstag, Torhüter Koen Casteels, der andere Belgier im Weg.

Nur deshalb konnte der eingewechselte  Bendtner noch per Abstaubertor (78.) das 1:1 erzielen. De Bruyne vergab dagegen kurz vor dem Abpfiff die große Gelegenheit zum 2:1-Sieg und damit einem großen Abgang, als der Noch-Wolfsburger frei vor Torhüter Horn scheiterte.