Beitrag in der FAZ von Daniel Theweleit
Der 1. FC Köln gibt gegen den SC Freiburg alles und hat sogar Chancen auf den Sieg. Am Ende aber reicht es nur zu einem Remis. Nach dem Schlusspfiff herrscht im Stadion eine „eigenartige“ Stimmung.
Eine seltsame Stille füllte das Müngersdorfer Stadion, als die ohnehin ziemlich kleine Hoffnung der Kölner auf den Klassenverbleib zu einem höchst unwahrscheinlichen Rechenspiel zusammengefallen war. „Ganz eigenartig“ fand Florian Kainz die Atmosphäre nach diesem 0:0 seiner Kölner gegen den SC Freiburg, aber trauern wollte noch niemand angesichts der, wenn auch geringen, Resthoffnung, die den Rheinländern doch noch geblieben war.
Erst wenn Mainz 05 am morgigen Sonntag beim 1. FC Heidenheim gewinnt und sich der VfL Bochum und Union Berlin unentschieden trennen, steht der siebte Abstieg in der Geschichte des rheinischen Traditionsvereins tatsächlich fest. Im Sinne eines friedlichen Miteinanders war es vielleicht ganz gut, dass diese Möglichkeit bleibt, frühere Abstiege haben in Köln ja Zorn und auch ziemlich aggressive Reaktionen ausgelöst.
Wobei auch an diesem Abend jeder sehen konnte, dass diese Mannschaft einfach viel zu harmlos ist, um häufiger Bundesligaspiele zu gewinnen. Wie so oft hatte der Effzeh „eine gute Energie auf den Platz gebracht und alles investiert“, sagte Sport-Geschäftsführer Christian Keller, „aber letzten Endes nutzen wir unsere Chancen nicht. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Saison.“
Die Kölner hatten 19 Mal aufs gegnerische Tor geschossen (Freiburg vier Mal), sie schlugen sieben Ecken, hinzu kamen etliche Freistöße in Strafraumnähe, und Linton Maina (3.) sowie Faride Alidou (71.) hatten gute Chancen. Am Ende musste Kainz jedoch feststellen: „Wenn man wieder zuhause kein Tor schießt, ist das zu wenig.“ Weil Qualität fehlte, müssen die Kölner immer auf einen glücklichen Moment, einen Zufall oder Geistesblitz hoffen, der aber nicht kam, auch weil es viel zu lange dauerte, bis die Partie Fahrt aufnahm.
Knapp eine Stunde hatte das Publikum nämlich ein höchst zähes Duell zweier Teams gesehen, denen Spielfluss und auch Selbstvertrauen fehlten. Denn nicht nur die Kölner befinden sich inmitten einer eher unerfreulichen Saisonphase, auch die Freiburger, die noch auf die Teilnahme an einem Europapokal hoffen, haben vielschichtige Probleme. Etliche Profis sind am Ende dieser langen Saison erschöpft oder nicht besonders gut in Form. Zudem fehlen seit Wochen die für einen konstruktiven Spielaufbau wichtigen Innenverteidiger Mattias Ginter und Philipp Lienhardt. Und für diese Partie war auch noch der Mittelfeldspieler Nicolas Höfler aufgrund seiner zehnten Gelben Karte gesperrt. „Wir haben es nicht gut genug gemacht mit dem Ball, waren zu hektisch, aber wir haben gekämpft und nicht verloren“, sagte der Freiburger Trainer Christian Streich.
Die Gäste konnten allerdings ganz gut leben mit diesem Punkt, „die Ausgangslage ist die gleiche wie vor diesem Spieltag, wir liegen in einer guten Ausgangsposition“, sagte der Linksverteidiger Christian Günter. Die Kölner hingegen müssen sich vorwerfen, nicht früher die Energien des Stadions entfacht zu haben. Nach einer Stunde musste die Bilanz lauten: Das 0:0 war exakt das passende Zwischenergebnis für dieses schwache Bundesligaspiel.
Nun jedoch begann langsam die Zeit, in der die Kölner mehr riskieren mussten und vielleicht auch Kräfte bei beiden Teams schwanden. Jedenfalls war jetzt etwas mehr los in den Strafräumen. Auch Freiburg hatte zwei sehr gute Chancen durch Ritsu Doan (65.) und Lucas Höler (67.), die das Tor knapp verfehlten, aber Köln war insgesamt gefährlicher.
Auch deshalb lobte Trainer Timo Schultz seine Mannschaft für ihren „Charakter“, er sagte aber auch: „Das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir es wieder nicht geschafft haben, ein Tor zu schießen.“ Immerhin war es in der letzten halben Stunde richtig spannend, weil so viel auf dem Spiel stand. „Es kann morgen vorbei sein“, stellte Keller nach dem Abpfiff nüchtern fest, und dann wird wohl auch die Zeit der Aufarbeitung beginnen.
Wobei Präsident Werner Wolf unter der Woche in einem Interview, das der Klub auf seiner Internetseite veröffentlichte, angekündigt hat, dass alle drei Geschäftsführer und alle drei Präsidiumsmitglieder im Amt bleiben werden. Das hatte hohe Wellen geschlagen und für viel Kritik gesorgt, auch weil die These im Raum stand, dass die Vorbereitung auf das Spiel durch diesen Vorgang gestört worden sein könnte. Kainz jedoch sagte: „Man registriert das, beeinflusst wurde die Mannschaft dadurch aber nicht.“
Es ist recht klar, dass der Stille dieses Abends noch eine Menge Krach folgen wird. Sowohl wenn das Wunder des Klassenverbleibs gelänge, als auch im Misserfolgsfall, wenn in Teilen des Umfeldes die Enttäuschung in Wut umschlägt. Bereits am Sonntagnachmittag könnte es so weit sein.